Stressfaktor Proaktivität?!

Christopher Schwake
Christopher Schwake, Universität Potsdam
© C. Schwake

„Als Psychologinnen und Psychologen beschäftigen wir uns mit dem Erleben und Verhalten von Menschen im Allgemeinen. Als Arbeits- und Organisationspsychologen gilt unser besonderes Interesse dem Menschen bei der Arbeit. Darunter fallen beispielsweise Themen wie die Gestaltung von Arbeitsplätzen, was eine gute Führungskraft ausmacht, wie Zusammenarbeit in Arbeitsgruppen am besten gelingen kann oder wie sich die Arbeit auf die Gesundheit oder das Wohlbefinden auswirkt. In den letzten Themenbereich fällt der Schwerpunkt unserer aktuellen Forschung“, erklärt Christopher Schwake.

Schwake ist Mitarbeiter im Forschungsprojekt „Wie die heutige Belastung mittelfristig zum Nutzen führt: Eine integrative Perspektive auf die Folgen von Proaktivität in der Arbeit für das Wohlbefinden“. „In diesem Projekt untersuchen wir, wie es Menschen geht, die sich bei der Arbeit proaktiv verhalten. Unter proaktivem Verhalten verstehen wir auf Eigeninitiative beruhende, zukunftsorientierte Verhaltensweisen, die darauf abzielen, positive Veränderungen herbeizuführen. Sind proaktivere Menschen zum Beispiel glücklicher oder unglücklicher, müder oder ausgeruhter, selbstbewusster, inspirierter von der Bedeutung ihrer Arbeit oder frustrierter? Zu diesen Fragen gibt es unterschiedliche Befunde: Proaktivität wirkt sich positiv auf die Arbeitsleistung aus. Erste Ergebnisse unserer eigenen Arbeit zeigen, dass Arbeitende, die proaktiv sind, sich als kompetenter erleben. Auch haben sie eine höhere Lebens- und Arbeitszufriedenheit sowie ein stärkeres Sinnerleben bei der Arbeit. Andererseits legen Analysen von Cortisol, einem Stresshormon, nahe, dass Tage, an denen Arbeitende sehr proaktiv waren, als stressiger erlebt werden.

Das Projektteam
Das Projektteam
© C. Schwake

Uns interessiert aber nicht nur, wie es ihnen geht, sondern vielmehr, warum es ihnen so geht. Sind sie müder, weil sie sich zusätzlich anstrengen müssen, um ihre Arbeit zu schaffen und darüber hinaus Initiativen zu starten? Sind sie frustriert von Konflikten, die sich als Folge ihrer eingeleiteten Veränderungen mit Kolleginnen und Kollegen ergeben? Erleben sie mehr Bedeutsamkeit bei der Arbeit, weil sie sich durch ihre Proaktivität auf der Arbeit selbst verwirklichen können? Doch auch dabei wollen wir es nicht belassen und fragen zusätzlich nach den Bedingungen, unter denen diese Prozesse ablaufen und eventuell zu vollkommen anderen Ergebnissen führen. Unter welchen Bedingungen führt Proaktivität zu Stress und unter welchen zu mehr Wohlbefinden? Welche Rolle spielt beispielsweise die Offenheit der Kolleginnen und Kollegen für Veränderungen?

In unserem gegenwärtigen Forschungsprojekt stehen wir noch relativ am Anfang und viele Fragen sind noch offen. Es bleibt also spannend. Das liegt auch daran, dass wir uns als Psychologinnen und Psychologen nicht mit Spekulationen zufriedengeben. Stattdessen generieren wir aus Fragen – auf Grundlage psychologischer Theorien – Forschungsmodelle, die wir dann empirisch, das heißt mittels statistischer Auswertung der Erfahrungen Hunderter Menschen, testen. Auf diese Weise gleichen wir unsere Fragen, Modelle und Theorien immer wieder mit der Wirklichkeit ab, mit dem Ziel ein Modell zu entwickeln, das die Wirklichkeit gut abbildet, vereinfacht und erklärt. Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse stellen wir dann über Veröffentlichungen beispielsweise in Fachzeitschriften der Gesellschaft zur Verfügung. Auf dieser Grundlage können schließlich positive Veränderungen für die arbeitenden Menschen vorgenommen werden, sei es durch Gesetze, die zum Beispiel Arbeitende vor psychologischen Belastungen schützen, oder durch die Initiativen von Unternehmen, die sich stärker und effektiver für die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden einsetzen können“, berichtet Schwake aus der Forschung.


Steckbrief

Projekttitel: „Wie die heutige Belastung mittelfristig zum Nutzen führt: Eine integrative Perspektive auf die Folgen von Proaktivität in der Arbeit für das Wohlbefinden“
Standort: Universität Potsdam
Projektleitung: Prof. Dr. Doris Fay
DFG-Förderung: Einzelförderung/Sachbeihilfe
Förderung: seit 2017

Zusatzinformationen

© 2010-2019 DFG Letzte Aktualisierung: 26.03.2018 Sitemap   |  Impressum  |  Datenschutzhinweise  |  Kontakt  |  Service

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