Soziale Netzwerke und Erfolg in der Schule

Caroline Marker
Caroline Marker, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
© C. Marker

Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den westlichen Industrienationen verbringen einen substanziellen Teil ihrer Zeit mit Computer und Internet. Besonders soziale Netzwerke wie Snapchat, Instagram oder Facebook erfreuen sich großer Beliebtheit. Welche Auswirkungen hat die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken? Wie sind Menschen „drauf“, die soziale Netzwerke sehr intensiv nutzen? „Thesen zu den negativen Auswirkungen der Internetnutzung werden in Blogs, Presse und TV immer wieder diskutiert, wobei populärwissenschaftliche Medien oft den Stand der Forschung nur unvollständig und selektiv aufgreifen. Und tatsächlich ist es selbst für Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nicht immer einfach, den wissenschaftlichen Sachstand zu formulieren. Zwar liegen zahlreiche Studien zu den Korrelationen und Auswirkungen der Internetnutzung im privaten und häuslichen Bereich vor, die Befunde verteilen sich allerdings auf unterschiedliche Disziplinen, darunter Psychologie, Kommunikationswissenschaften, Pädagogik und Medizin. Und aus einer Korrelation lassen sich noch lange keine Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge ableiten. Hinzu kommt, dass sich die Studien teilweise gegenseitig zu widersprechen scheinen. Es gibt sowohl Ergebnisse, die darauf hindeuten, dass die mit Social Media verbrachte Zeit in Zusammenhang mit schlechteren Schulnoten steht – aber es gibt auch gegenteilige Befunde oder Studien, die gar keine Zusammenhänge gefunden haben“, erklärt Caroline Marker die Idee, warum das Forschungsprojekt „Wirkungen und Korrelate intensiver Internetnutzung: Eine meta-analytische Bestandsaufnahme“, in dem sie arbeitet, über die einzelne Studie hinausschaut.

„Unser Ziel ist es, die bestehende Befundlage mithilfe von sogenannten Meta-Analysen statistisch zusammenzufassen. Das bedeutet, dass wir in der Laufzeit des Projekts von drei Jahren viele empirische Studien zum Thema zusammenführen. Wir haben uns bisher vor allem mit Bereichen befasst, von denen wir annehmen, dass sie in Bezug zur intensiven Nutzung des Internets beziehungsweise von bestimmten Internetanwendungen stehen: 1. Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit, 2. Narzissmus, 3. Lernen und Leistung, 4. Übergewicht und Adipositas, 5. Schüchternheit“, berichtet Marker. Im Hinblick auf Schulnoten und Social Media ergibt sich aus der Betrachtung, dass die Nutzung von Seiten sozialer Netzwerke deutlich weniger mit den Schulnoten zu tun hat als beispielsweise die Lernzeit. „Es zeigte sich, dass Menschen, die sich auf sozialen Netzwerken über Lerninhalte austauschen, statistisch gesehen eher einen besseren Notendurchschnitt haben. Zudem konnten wir zeigen, dass Social Media dem Lernen keine ‚Zeit wegnimmt’. Die Zeit für soziale Medien hängt nicht mit der Lernzeit zusammen, sondern scheint Zeit aus anderen Lebensbereichen zu beanspruchen“, sagt Marker und gibt zu bedenken, dass in diesem Fall die meta-analytische Betrachtung auf Korrelationen basiert, die nichts über Ursache und Wirkung aussagen können. „Für die Klärung von Ursache und Wirkung sind andere wissenschaftliche Methoden, wie Experimente oder Langzeitstudien, nötig. Auch diese können dann meta-analytisch zusammengefasst werden.“


Steckbrief

Projekttitel: Wirkungen und Korrelate intensiver Internetnutzung: Eine meta-analytische Bestandsaufnahme
Standort: Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Projektleitung: Prof. Dr. Markus Appel
DFG-Förderung: Einzelförderung/Sachbeihilfe
Förderung: seit 2015

Zusatzinformationen

© 2010-2019 DFG Letzte Aktualisierung: 27.03.2018 Sitemap   |  Impressum  |  Datenschutzhinweise  |  Kontakt  |  Service

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