Männerbild im Wandel

Dr. Diana Baumgarten
Diana Baumgarten, TU Dortmund
© D. Baumgarten

Dr. Diana Baumgarten berichtet: „In Deutschland gibt es einen breiten Konsens darüber, dass alle Mitglieder einer Familie an wichtigen Entscheidungen beteiligt sein sollten. Dies gilt vor allem natürlich für die Eltern, aber zum Teil auch für die Kinder in einer Familie. Damit hat der Mann als Vater ein Stück weit seine Privilegien verloren, zugleich aber auch Freiheiten dazugewonnen. Denn er teilt ja nicht nur die Verantwortung für gute Entscheidungen mit seiner Familie, sondern auch die schlechten. Und es kann eine ziemliche Last sein, stets wissen zu müssen, was für alle ‚das Beste‘ ist. Viel angenehmer und sinnvoller ist es, wenn man sich gegenseitig beraten und austauschen kann und gemeinsam eine Entscheidung fällt. Das gilt auch fürs Geldverdienen: Wenn beide Elternteile arbeiten, ist das Risiko der Armut durch Jobverlust geringer – die Familie ist nicht mehr allein abhängig von dem einen Job des Hauptverdieners. Ein weiterer positiver Effekt: Man weiß aus der Forschung, dass Paare, die sich Erwerbs- und Familienarbeit gleich aufteilen, zufriedener in ihrer Partnerschaft sind und sich weniger häufig scheiden lassen.

Außerdem besteht ein breiter gesellschaftlicher Konsens, dass auch Frauen ihre Talente im Beruf einbringen sollen. Unternehmen haben das für sich erkannt und – ähnlich wie auch öffentliche Institutionen wie Universitäten – Förderprogramme für Frauen entwickelt. Das tun Wirtschaftsunternehmen nicht, weil sie karitativ sein wollen, sondern aus einen unternehmerischen Grund: Es gibt zu wenig gute Männer für die zu besetzenden Stellen. Und es wird zukünftig noch viel weniger gute Männer geben. Dies liegt nicht nur an Geburtenraten, sondern auch daran, dass Männer unterschiedlich sind und nicht alle Topmanager werden wollen. Männer erkennen zunehmend, dass das Leben auch für sie vielfältig sein kann und nicht nur der Beruf im Mittelpunkt stehen muss.

Derzeit lässt sich also sowohl ein Wandel der Strukturen von Erwerbsarbeit als auch ein Wandel des Verhältnisses der Geschlechter feststellen. Wir gehen davon aus, dass beide Veränderungsprozesse miteinander verwoben sind und einen Einfluss auf die Lebenslagen von Frauen und Männern haben. Während sich die bisherige Forschung vor allem mit den Auswirkungen des Wandels auf weibliche Lebenslagen beschäftigt hat, sind die Auswirkungen auf die Lebenslagen von Männern bislang kaum untersucht.

Unser Forschungsprojekt soll daher beleuchten, welche Dimension von Männlichkeit im Zuge des Wandels von Erwerbsarbeit und der Geschlechterverhältnisse eine Veränderung erfahren hat und ob damit auch eine Veränderung der Vorstellung von männlichen Rollenbildern einhergeht. Um das herauszufinden, fragen wir unter anderem danach, ob das Männlichkeitsbild der Industriegesellschaft weiterhin eine Orientierung für Männer darstellt. Wie denken Männer selbst über Männlichkeit, männliche Rollen und deren Veränderung nach – und wie fühlen sie sich dabei? Um unsere Forschungsfrage zu beantworten, befragen wir in Gruppendiskussionen und Einzelinterviews Männer im Alter von 20 bis 65 Jahren aus unterschiedlichen Branchen und in verschiedenen Erwerbsverhältnissen“, so Baumgarten.


Steckbrief

Projekttitel: Neujustierung von Männlichkeiten. Auswirkungen der Transformation von Erwerbsarbeit und des Wandels von Geschlechterverhältnissen auf männliche Lebenslagen
Standort: Universität Bielefeld und Technische Universität Dortmund
Projektleitung: Prof. Dr. Diana Lengersdorf und Prof. Dr. Michael Meuser
DFG-Förderung: Einzelförderung/Sachbeihilfe
Förderung: seit 2015

Zusatzinformationen

© 2010-2019 DFG Letzte Aktualisierung: 29.03.2018 Sitemap   |  Impressum  |  Datenschutzhinweise  |  Kontakt  |  Service

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