Über Arbeit und Anerkennung

Prof. Dr. Christine Wimbauer
Prof. Dr. Christine Wimbauer, HU Berlin
© C. Wimbauer

Die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben haben Prof. Dr. Christine Wimbauer und Dr. Mona Motakef in ihrem Forschungsprojekt „Ungleiche Anerkennung? ‚Arbeit’ und ‚Liebe’ im Lebenszusammenhang prekär Beschäftigter“ untersucht. Ausgangspunkt des Projekts war der gegenwärtige Wandel von Erwerbsarbeit und dessen Auswirkungen auf das Verhältnis von Arbeit und Leben. „Nach unseren Untersuchungen ist die Vereinbarkeit von Privatleben – etwa Partnerschaft, Familie, Freunde, Selbstsorge – und Beruf oftmals eine Herausforderung. Nicht nur, aber besonders wenn Kinder vorhanden sind, kann – gemeinsame – Zeit hierfür fehlen. Das gilt auch für Zeit zur Sorge um sich selbst oder zur Pflege der eigenen Gesundheit“, sagt Christine Wimbauer.

Insbesondere in Zeiten zunehmender prekärer Beschäftigung, also unsicherer und nicht existenzsichernder Beschäftigungsverhältnisse, wird die Frage nach beruflichem Erfolg und dessen Stellenwert für die Einzelnen laut Wimbauer immer wichtiger: „Prekäre Beschäftigung bedeutet oft auch weniger soziale Anerkennung. Aus der Geschlechterforschung wussten wir schon, dass vor allem Frauen oft prekäre Arbeitsverhältnisse haben. Außerdem können prekäre Arbeitsverhältnisse die Bedeutung der Geschlechter füreinander verändern, wenn Männer nicht länger die Rolle des Ernährers ausfüllen und gleichzeitig das Einkommen der Frau wichtiger wird.“ Motakef fügt hinzu, dass in der Erwerbsarbeitsgesellschaft zentrale Ressourcen wie Einkommen, Prestige und berufliche Anerkennung mehr zählten als Fürsorge und ungleich verteilt seien.

Dr. Mona Motakef
Dr. Mona Motakef, HU Berlin
© M. Motakef

„Typisch ‚weibliche’ Berufe und Tätigkeiten sind oft schlechter entlohnt, schlechter sozial abgesichert und mit weniger Anerkennung verbunden. Dies gilt im unbezahlten Bereich, wie bei der Erziehung der eigenen Kinder oder der Pflege älterer Angehöriger, aber auch im bezahlten Bereich in Erziehungs- oder Pflegeberufen“, sagt Motakef. Das wirke sich besonders auf Frauen aus, die Fürsorgetätigkeiten übernehmen. Denn für die verschiedensten Paarkonstellationen (und auch für Menschen, die nicht in einer Beziehung leben) haben die Interviews der beiden Wissenschaftlerinnen gezeigt, dass auch wenn Männer nicht mehr die Hauptverdiener sind, sie noch lange nicht entsprechend mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen oder die Tätigkeiten ihrer Partnerinnen immer anerkennen. Was die Anerkennung angeht, fanden Wimbauer und Motakef zudem heraus: „Fehlende Anerkennung im Berufsleben führt nicht immer und nicht automatisch zu geringerer Anerkennung in der Paarbeziehung. Stattdessen kann eine wertschätzende Paarbeziehung fehlenden beruflichen Erfolg zwar nicht kompensieren, aber immerhin abmildern.“


Steckbrief

Projekttitel: Ungleiche Anerkennung? „Arbeit“ und „Liebe“ im Lebenszusammenhang prekär Beschäftigter
Standort: Humboldt-Universität zu Berlin
Projektleitung: Prof. Dr. Christine Wimbauer
DFG-Förderung: Einzelförderung/Sachbeihilfe
Förderung: 2014–2017

Zusatzinformationen

© 2010-2019 DFG Letzte Aktualisierung: 15.03.2018 Sitemap   |  Impressum  |  Datenschutzhinweise  |  Kontakt  |  Service

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