Wissenschaftssommer 2012
© DFG / Susanne Heiden
In Lübeck gastierte vom 2. bis 6. Juni 2012 der Wissenschaftssommer. Besucherinnen und Besucher des Wissenschaftsfestivals konnten mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aktuelle Fragen der Forschung diskutieren und an einer Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen wie Ausstellungen, einem Science Slam, am BarCamp oder an Workshops teilnehmen. Auch die DFG war wieder mit einer Präsentation vertreten.
Eine große Show auf der Bühne des Lübecker Marktplatzes eröffnete am 2. Juni den Wissenschaftssommer, gefolgt von einer Nacht der Labore, in der Interessierte einen Blick hinter die Kulissen ortsansässiger Wissenschaftsinstitute werfen konnten. Eine interaktive Ausstellung lud auf dem Marktplatz und im Rathaus zum Entdecken und Diskutieren aktueller Forschungsthemen ein.
Stadtklima im DFG-Zelt
© DFG / Jutta Rateike
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Das DFG-Zelt beim Wissenschaftssommer 2012
© DFG / Jutta Rateike
Auf dem Marktplatz vor dem Lübecker Rathaus ergänzte das DFG-Zelt neben der großen Bühne die Zeltstadt des Wissenschaftssommers 2012. Außer der DFG informierten darin der DFG-geförderte Hamburger Exzellenzcluster CLiSAP und das Norddeutsche Klimabüro die Besucher an mehreren Stationen über Stadtklima, Klimawandel und Nachhaltigkeit.
Klima-Memory – Wo war nochmal die Kuh?
Ein Highlight vor dem DFG-Zelt war das gut besuchte und im wahrsten Sinne des Wortes bildgewaltige Klima-Memory. Das überdimensionale Kartenspiel sorgte bei Groß und Klein für geistiges wie auch körperliches Training. Die 15 zu findenden Paare bestanden jeweils aus einem Bildmotiv und einem kurzen Text zum Thema Klima. So erfuhren die Spieler viele interessante Fakten, beispielsweise dass der Klimawandel sowohl Sturmfluten als auch tropische Wirbelstürme in Zukunft verstärken wird oder dass der Meeresspiegel nicht nur durch schmelzende Gletscher, sondern auch durch die Ausdehnung der Ozeane durch die globale Erwärmung steigt. Beim Klima-Memory lernten die Gäste spielerisch auch, dass der Grund für die Erderwärmung Treibhausgase sind. Darunter Methan, das außer beim Faulen organischer Stoffe auch bei der Massentierhaltung und in der Landwirtschaft entsteht. Das Abholzen des Regenwaldes trägt ebenfalls zur Erderwärmung bei: Es zerstört nicht nur wertvolle Ökosysteme sondern setzt auch große Mengen von Kohlendioxyd - weltweit ein Fünftel aller Treibhausgas-Emissionen - frei.
Neben diesen alarmierenden Forschungsergebnissen zeigte das Klima-Memory auch Mittel und Wege zur Verlangsamung und Eindämmung des Klimawandels: Schon eine einzelne Buche macht in 80 Jahren insgesamt eine ganze Tonne Kohlendioxyd zu Sauerstoff und die Algen im Meer entsorgen ein Drittel aller Treibhausgase. Ein verstärkter Einsatz dieser natürlichen Helfer im Kampf gegen den Klimawandel könnte sich spürbar auszahlen: Wenn beispielsweise alle Dächer Hamburgs mit Grünflächen bepflanzt wären, würde dies die Temperatur an heißen Sommertagen um ein halbes Grad senken.
Treibhausgase sind allerdings nur im Übermaß schädlich. Ohne sie wäre es auf der Erde eisig. Ein interessantes Gas ist der Wasserdampf, der sich anders als andere Treibhausgase nicht unbegrenzt in der Atmosphäre ansammelt und von der bereits überforderten Pflanzenwelt abgebaut werden muss, sondern gelegentlich einfach als Regen wieder auf die Erde herab prasselt und dort auf andere Weise wieder für Leben sorgt.
Herausforderung Stadtklima
Auch zwei farbenfrohe Leuchtsäulen zeigten die „Herausforderung Stadtklima“ und die vielen Faktoren, die darin eine Rolle spielen. Denn neben dem großräumigen Klima geben Bebauung, Grünanlagen und Luftverschmutzung jeder Stadt ein ganz eigenes Mikroklima. Beispielsweise speichern bebaute Flächen Sonnenwärme und verzögern die Abkühlung in der Nacht. Zudem verdrängen sie Grünflächen, die durch Verdunstung zu einer natürlichen Kühlung beitragen. Wie genau die vielfältigen Einflüsse zusammenwirken und ob sie die Folgen des globalen Klimawandels lokal verstärken oder verringern, untersucht der Exzellenzcluster CLiSAP ebenfalls.
© KlimaCampus
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Touchscreen zu den Forschungsarbeiten am KlimaCampus
© KlimaCampus
Mit der Fingerspitze durch den KlimaCampus
Ein großer interaktiver Touchscreen-Bildschirm gewährte mit kurzen Filmen Einblick in die zentralen Forschungsfragen des Exzellenzclusters CLiSAP: Mit welchen klimatischen Bedingungen werden Städte in Zukunft konfrontiert, wie lassen sich zuverlässige Vorhersagen machen? Wie wirkt sich das Zusammenspiel von Gebäuden, Vegetation, Industrie und Verkehr auf das Klima in städtischen Regionen aus? Wann wird der Klimawandel zum Sicherheitsrisiko?
Einer der Wissenschaftler, der sich mit urbanen Fragestellungen beschäftigt, ist Professor Bernd Leitl vom Meteorologischen Institut der Universität Hamburg und Leiter des Environmental Wind Tunnel Laboratory. Sein Thema: Strömungs- und Transportprozesse in den bodennahen Luftschichten der Atmosphäre. In seinem Beitrag berichtete er von seinen Untersuchungen im Windkanal-Labor, deren Ergebnisse helfen sollen, zu starke Böen und Zugluft in Städten mithilfe der richtigen Bebauung gezielt zu vermeiden. Seine Versuche zeigen, dass hohe Gebäude in Städten sowohl den Abtransport von Schadstoffen unterstützen als auch Frischluft hinein lenken können. Auch die Windverhältnisse am Boden können mit einer gestuften Bauweise von Hochhäusern verbessert werden. Eine Besonderheit bei den Untersuchungen von Leitl ist, dass er mit sogenannten „Grenzschichtwindkanälen“ arbeitet, die die bodennahen Luftschichten in der Atmosphäre abbilden, und so die Lücke zwischen komplexer Realität und vereinfachten Computersimulationen schließen.
© DFG / Susanne Heiden
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Fakten zum Nutzen der Pflanzenwelt in Städten
© DFG / Susanne Heiden
Von Baum zu Baum
Die kleine Installation mit Miniaturbäumen gab mit wenigen aber schlagkräftigen Argumenten einen Überblick, wie wichtig Grünflächen und Bäume in Städten sind. Sie nannte Tatsachen zum Nutzen von Stadtbäumen beziehungsweise zur Klima-Wirkung von Bäumen und Grünflächen.
© Norddeutsches Klimabüro
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Der Norddeutsche Klimaatlas
© Norddeutsches Klimabüro
Tropische Nächte in Norddeutschland?
Ebenfalls einen großen Bildschirm nutzte das Norddeutsche Klimabüro, um den „Norddeutschen Klimaatlas“ zu präsentieren. Dieser entstand aus der engen Zusammenarbeit des Hamburger Exzellenzclusters CLiSAP mit dem Norddeutschen Klimabüro und wird ständig aktualisiert. Der interaktive Klimaatlas zeigt, wie sich das Wetter in einzelnen, auswählbaren Regionen zu den vier Jahreszeiten bis zum Ende des 21. Jahrhunderts verändern wird. Detailinformationen gibt es zu Temperaturen, Niederschlägen, Luftfeuchte, Wind oder Bewölkung. Zum Beispiel könnte in ganz Norddeutschland bis zum Ende des 21. Jahrhunderts die Temperatur im Vergleich zu heute im Jahresdurchschnitt um bis zu fünf Grad Celsius ansteigen, im Sommer könnten bis zu 17 sogenannte tropische Nächte hinzukommen und bis zu 18 Regentage verloren gehen. An der Ostseeküste gäbe es bis zu 30 Sommertage mehr als heute dafür aber möglicherweise einen ganzen Monat weniger Tage mit Frost. Der Norddeutsche Klimaatlas zeigt also, dass der ungebremste Klimawandel zu durchaus merklichen Veränderungen unserer Lebensräume führen kann.
Ergänzt wurden diese Stationen durch zahlreiche informative Broschüren und Booklets, die umfangreiche Informationen über die Arbeit des Exzellenzclusters und des Norddeutschen Klimabüros enthielten.
Brennstoff aus dem Wasser
© Douglas-Film GmbH und MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen
In einem eigenen Zelt präsentiert sich das DFG-Forschungszentrum MARUM der Universität Bremen. Wissenschaftler nehmen die Besucher auf eine Reise zum Meeresboden mit und gewähren Einblick in ihre Forschungsarbeiten. Interessierte dürfen Proben nehmen und untersuchen oder selbst ein Methanhydratmolekül nachbauen. Methanhydrat ist eine mögliche Energiequelle der Zukunft aus den Tiefen des Ozeans, die ständig neu entsteht.
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Die DFG engagiert sich als Gründungs- und Mitgliedsorganisation seit 1999 bei der Initiative "Wissenschaft im Dialog"