Boğazköy / Hattuscha (Türkei)

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Hattuscha – Die Hauptstadt des hethitischen Großreichs Urbanes Zentrum und Hauptstadt des hethitischen Großreichs

Steckbrief

  • Boğazköy (Türkei), antiker Name: Hattuscha (im 2. Jt. v. Chr.)
  • Lage: Im Nordosten Zentralanatoliens, etwa 180 km östlich von Ankara.
  • Forschungsgeschichte: 1834 Entdeckung durch C. Texier; 1906–1912 erste systematische Ausgrabungen durch T. Makridi (Museum Istanbul) und H. Winkler (Deutsche Orient-Gesellschaft); 1931–1939 und seit 1952 jährliche Ausgrabungen durch das Deutsche Archäologische Institut (K. Bittel, P. Neve, J. Seeher, seit 2006 A. Schachner).
  • Aktuelle Forschungsziele: Chronologische und strukturelle Analyse der hethitischen Altstadt, um ein Gesamtbild der Entwicklung der Siedlung zu entwerfen.
  • Förderung: DFG-Langfristprojekt (seit 2009); Deutsches Archäologisches Institut (DAI, seit 1931); frühere Förderungen durch die DFG bis 1994 (Ausgrabungen in der Oberstadt, P. Neve; topographischer Plan, J. Seeher); 2000–2007 Förderung durch Japan Tabacco International; Aufarbeitung der Grabungen in der Oberstadt (DFG, S. Herbordt, bis 2010); weitere Förderungen der DFG u. a. U. Schoop (2004 bis 2007).

Naturraum

Hattuscha liegt im südlichsten Einzugsgebiet der pontischen Klimaregion, am südlichen Ende eines Tales und gegen eine Bergkette gelehnt, die die Grenze zu den Steppengebieten Zentralanatoliens markiert. Die klimatischen Bedingungen in Zentralanatolien waren und sind sehr instabil, durch eine Intensivierung der Land- und Viehwirtschaft, eines ausgefeilten Wasserkontrollsystems über Staudämme und kleinteilige Bewässerung sowie einer intensiven Vorratshaltung, gelang es den Hethitern diese Nachteile auszugleichen.

Siedlungsgeographische Charakteristika

Die Lage Hattuschas auf einem durch Felskegel stark zerklüftetem Hochplateau unterscheidet sich völlig von den sonst in Anatolien in der Bronzezeit vorherrschenden Tell-Siedlungen in den Ebenen. Die hethitischen Baumeister nutzten diese Situation nicht nur, um eine strategisch begünstigte Verteidigungsanlage zu errichten, sondern auch um die einzelnen städtischen Funktionen (Palast, Tempel, Wohnareale) unter Ausnutzung der Topographie gegeneinander abzugrenzen.

Politische und sozioökonomische Organisation

Die Stadt Hattuscha diente seit etwa 1650 v. Chr. den hethitischen Königen als Residenz und Hauptstadt des hethitischen Reiches. Letzteres wird vor allem daran deutlich, dass Funktionen zur Legitimation der Herrschaft hier angesiedelt waren. Da die geographischen Bedingungen Zentralanatoliens für die Entstehung und den Unterhalt eines zentralisierten Großreichs zu instabil waren, organisierten die Hethiter ihre Wirtschaft dezentral. Entsprechend verfügen einzelne Städte über große Getreidesilos und Wasserspeicher. Die Analyse der botanischen und zoologischen Funde offenbart eine Intensivierung der Land- und Viehwirtschaft im Zuge der hethitischen Herrschaft über Zentralanatolien.

Zusatzinformationen

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