Şanlıurfa / Göbekli Tepe (Türkei)

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Die frühholozäne Gesellschaft Obermesopotamiens und ihre Subsistenz (Türkei)

Steckbrief

  • Kultisch-religiöses Zentrum
  • Lage: Obermesopotamien, nordöstlich der Stadt Şanlıurfa in der Südosttürkei auf einem über 750 m hoch aufragenden Bergzug in Sichtweite des 1919 m hohen Karacadağ.
  • Forschungsgeschichte: 1963 als neolithischer Fundort durch eine türkisch-amerikanische Forschergruppe identifiziert; 1994 Geländebegehung und Entdeckung erster Steinplastiken durch K. Schmidt (damals Universität Heidelberg); seit 1995 Ausgrabungen durch das Museum Şanlıurfa und das Deutsche Archäologische Institut.
  • Aktuelles Forschungsziel: Entschlüsselung des frühneolitischen Symbolsystems Obermesopotamiens.
  • Förderung: Förderung durch die DFG seit 2004, DFG- Langfristprojekt seit 2010, weitere Förderung durch ArchaeNova e. V., Global Heritage Fund, John Templeton Foundation. Träger des Projektes ist das Deutsche Archäologische Institut, Berlin; eine Kooperation besteht mit der Harran Universität, Şanlıurfa.

Naturraum

Entscheidende Entwicklungen beim Übergang zur produzierenden Lebensweise (Neolithisierung) fanden im Norden des Fruchtbaren Halbmonds, in der Vorgebirgsregion des Taurus statt. Dort gab es im Frühholozän ausreichende jährliche Niederschläge für einen nachhaltigen Pflanzenbau. Die bislang nur hier nachgewiesenen umfangreichen Vorkommen der später domestizierten Wildformen von Pflanzen und Tieren begünstigten die frühe permanente Besiedlung dieser Region.

Siedlungsgeographische Charakteristika und überregionale Beziehungen

Nach der gängigen Neolithisierungstheorie war der Übergang vom Wildbeuter zum Bauern eine Folge der ständig wachsenden Population und einer damit verbundenen Verknappung der Nahrungsressourcen. Dieser Ressourcenknappheit suchte man durch den systematischen Anbau von Pflanzen und später auch durch Tierzucht zu begegnen – der Prozess der Neolithisierung setzte ein. Diese Theorie wird durch die Forschungen am Göbekli Tepe in Frage gestellt. An diesem Ort befand sich das zentrale ‚Heiligtum’ eines größeren neolithischen Siedlungsgebietes Obermesopotamiens. Hier kamen die regionalen Gruppen zusammen, von hier gingen aber auch wichtige Innovationen aus.

Politische und sozioökonomische Organisation

Dem Göbekli Tepe liegt eine komplexe gesellschaftliche Organisationsform von Jäger- und Sammlergesellschaften zugrunde, wie man sie für solch frühe Zeiten bislang nicht vermutet hätte. Die Errichtung monumentaler Steinkreisanlagen wäre ohne handwerkliche Spezialisierung, Arbeitsteilung und Arbeitsorganisation kaum durchführbar gewesen. Die Anlagen verliehen dem Göbekli Tepe die Funktion eines sakralen Ortes und Versammlungsplatzes, dessen Kontrolle in den Händen entsprechender Spezialisten gelegen haben dürfte. Auf dieser Grundlage wird eine neue Sichtweise auf den Neolithisierungsprozess möglich.

Zusatzinformationen

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