Qal‘at Schergat / Assur (Irak)

Bild aus dem Katalog

 

Aufarbeitung der Ergebnisse der Grabung der Deutschen Orient-Gesellschaft in Assur in den Jahren 1903–1914 (Irak)

Steckbrief

  • Qal’at Schergat (Irak) antiker Name: Assur
  • Hauptstadt, zentraler Kultort
  • Lage: Nordmesopotamien am Westufer des Tigris.
  • Forschungsgeschichte: 1903–1914 Ausgrabungen durch W. Andrae; 1979–2002 (mit Unterbrechungen) durch die irakische Antikenverwaltung; 1988–1989 R. Dittmann (FU-Berlin); 1989–1990 B. Hrouda (Universität München); 2000–2001 P. Miglus (Universität Halle). Seit 1997 wissenschaftliche Aufarbeitung der frühen Assur-Grabungen (1903–1914) im Rahmen des Assur-Projektes der Deutschen Orient-Gesellschaft, des Vorderasiatischen Museums – Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Freien Universität Berlin.
  • Aktuelle Forschungsziele: Wissenschaftliche Aufarbeitung der Ausgrabungen von 1903–1914. Erforschung der Texte aus dem assyrischen Gelehrtenmillieu durch S. Maul (Universität Heidelberg) in Zusammenarbeit mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
  • Förderung: Aufarbeitungsprojekt: DFG-Langfristprojekt, weitere Unterstützung durch die FU Berlin und die Deutsche Orientgesellschaft.

Naturraum

Assur liegt auf einem Felssporn am Westufer des Tigris. Die Region liegt gerade noch in der Regenfeldbauzone, so dass ohne Bewässerung Ackerbau betrieben werden konnte. Viehweidewirtschaft bildete die zweite Säule der landwirtschaftlichen Subsistenz.

Siedlungsgeographische Charakteristika und überregionale Beziehungen

Als frühdynastischer Zentralort und später jahrhundertelang Hauptstadt des assyrischen Territorialreiches war Assur vom 3. Jt. v. Chr. an in ein überregionales Kommunikations- und Handelsnetzwerk eingebunden. Zahlreiche Keilschrifturkunden dokumentieren die Handelsbeziehungen Assurs nach Zentralanatolien und zu den dort ansässigen assyrischen Handelskolonien im 20.- 18. Jh. v. Chr. (altassyrische Zeit). Dabei spielte vor allem der Handel mit Zinn aus dem heutigen Iran eine wichtige Rolle. Ab der Mitte des 2. Jts. v. Chr. (mittelassyrische Zeit) entstand ein weitgespanntes Handelsnetz, das neben dem unmittelbar benachbarten Babylonien im Süden und dem Hethiterreich im Norden auch Ägypten, die Levante, und die Bergländer im Norden und Osten Assyriens einbezog. Im 1. Jt. v. Chr. (neuassyrische Zeit) wurde der Handel zunehmend durch Tribut und Ausbeutung unterworfener Gebiete ersetzt.

Politische und sozioökonomische Organisation

Bereits in der Mitte des 3. Jts. v. Chr. war Assur ein zentraler Ort eines bedeutenden frühdynastischen Stadtstaates. Mitte des 2. Jts. v. Chr. Wurde. Assur dann Hauptstadt des mächtigen assyrischen Territorialstaates. Hiervon kündigen noch die ca. 75 ha große Stadtanlage mit einem großen Wohngebiet, die Stadtmauer, die Tempel- und Palastbauten und die Funde von umfangreichen Tontafelarchiven. Assur verlor mit der Verlegung der königlichen Residenz durch den neuassyrischen Herrscher Assurnasirpal II. zu Beginn des 9. Jhs. v. Chr. seine Hauptstadtfunktion an Kalach (Nimrud) und später Ninive. Dennoch bleibt die Stadt weiterhin das kultische und zeremonielle Zentrum des Reiches, da sich hier der einzige Tempel des obersten Staatsgottes Assur befindet.

Zusatzinformationen

© 2010-2016 DFG Aktualisierungsdatum: Sitemap  |  Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Kontakt  |  RSS Feeds

Textvergrößerung und Kontrastanpassung