Überschrift: Was wissen Bilder?

Bilder aus Naturwissenschaft, Technik und Medizin sind ein wichtiger Baustein unserer Wissensgesellschaft. Sie geben jedoch nicht nur Beobachtungen und Ergebnisse wieder, sondern bestimmen mit, wie wir Erkenntnisse gewinnen. Ein Projekt an der Humboldt-Universität zu Berlin untersucht systematisch die Zusammenhänge, in denen wissenschaftlich-technische Bilder entstehen und auf Forschung und Gesellschaft wirken.

Die Projektidee

Wladimir Tatlin: die Spiralform als Sinnbild der Revolution
Wladimir Tatlin: die Spiralform als Sinnbild der Revolution
© Archiv Das Technische Bild

 

Form und Aussehen wissenschaftlicher Darstellungen sind nicht zufällig. Wissenschaftliche Entscheidungen, die Sehweisen einer Zeit, die Möglichkeiten und Grenzen der verfügbaren Technik fließen in ihre Produktion mit ein. Um diese Zusammenhänge sichtbar zu machen, unternimmt die Gruppe um Horst Bredekamp exemplarische »Tiefenbohrungen« in die Bildgeschichte der modernen Wissenschaften. Das Besondere ihres Forschungsansatzes liegt darin, dass sie die Methodik der Kunstgeschichte konsequent anwendet. Dies erlaubt der Gruppe, wissenschaftliche Darstellungen als Artefakte zu verstehen und sie systematisch zu vergleichen und zu untersuchen.

Die Forschungsarbeit

Doppelhelix von Watson und Crick
Doppelhelix von Watson und Crick
© 2011 by Steven M Carr, Terra Nova Genomics Inc.

 

1953 stellten die Wissenschaftler Watson und Crick der Weltöffentlichkeit ihr Modell der DNA vor. Es war zunächst nur als visuelle Annäherung an die molekulare Struktur der menschlichen Erbsubstanz gedacht, doch seine Spiralform wurde schnell zu einer Ikone der Wissenschaftsgeschichte und zum Symbol des gentechnologischen Fortschritts. Das Modell baut auf wissenschaftlichen Daten auf, aber es übernimmt mit der Spirale auch ein altes künstlerisches Motiv. Hier setzen die Untersuchungen des Projekts an: Aus welchen Form- und Bildtraditionen entspringt eine Darstellung wie die Doppelhelix? Wie treiben Bilder Forschung voran? Und wie können Bilder Erkenntnis erzeugen und Wissen vermitteln?

Erkenntnisse und Perspektiven

Die Doppelhelix in der Architektur
Die Doppelhelix in der Architektur
© Doppelhelix, WXY Architecture + Urban Design

Mit seiner Methode des vergleichenden Sehens betreibt das Projekt historisch fundierte Bildkritik. Sie soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über die Fächergrenzen hinweg helfen, sich über ihre eigenen bildlichen Instrumente und deren Bedeutung klar zu werden. Ziel der Arbeit ist, das Verständnis von Bildern zu erweitern und ihre Rolle in der modernen Gesellschaft neu zu bewerten. Langfristig soll eine Enzyklopädie historische und moderne Bildgebungsformen fassbar und vergleichbar machen. In der Zeitschrift »Bildwelten des Wissens« wird diese regelmäßig fortgeschrieben.


Projektinformationen

Projekttitel: Visuelle Strategien in Wissenschaft und Technik
Projektleitung: Prof. Dr. Horst Bredekamp
Förderzeitraum: 2005 - 2012
Kontakt: Humboldt-Universität zu Berlin, www.kulturtechnik.hu-berlin.de

Logo von Gepris

Weitere Informationen zum Projekt "Visuelle Strategien in Wissenschaft und Technik"  finden Sie im DFG-Informationssystem GEPRIS [ mehr ]

Zusatzinformationen

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