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Eine Schwangerschaft ist nicht nur ein biologischer Vorgang im Körper der werdenden Mutter, sondern auch ein spannender sozialer Prozess. Ein Projekt der Universität Mainz liefert wichtige Erkenntnisse zur Entwicklung einer „Soziologie der Schwangerschaft“.

Die Projektidee

Ultraschallbilder aus den ersten Lebenswochen
Ultraschallbilder aus den ersten Lebenswochen
© Hirschauer/Universität Mainz

Samen- und Eizellenspende, Leihmütter, gleichgeschlechtliche Eltern – Schwangerschaft und Elternschaft sind durch medizinische und gesellschaftliche Entwicklungen revolutioniert worden. Immer mehr Teilnehmer (Ko-Mütter, Spender, Ärzte) scheinen in sie hineinzudrängen. In den Kultur- und Sozialwissenschaften sind bislang viele Einzelaspekte dieser Entwicklungen erforscht worden. Was ihnen jedoch fehlte, war ein eigen­ständiger Begriff der Schwangerschaft, um diese als sozialen Ausnahmezustand angemessen zu beschreiben. Das Team um Stefan Hirschauer untersucht, wie Schwangerschaft durch Erwartungen und Interaktionen im Umfeld der Schwangeren „gemacht“ wird und welche Personen an ihr beteiligt sind.

Die Forschungsarbeit

Analyse von Tagebuchaufzeichnungen einer Schwangeren
Analyse von Tagebuchaufzeichnungen einer Schwangeren
© DFG

Sozialwissenschaftler untersuchen Selbstverständlichkeiten unseres Alltagslebens mit analytischer Distanz. Die Mainzer Soziologen erforschen die Schwangerschaft nicht mit einem Fragebogen, sondern mithilfe qualitativer Methoden: Sie führen mit ausgewählten Paaren intensive Interviews, stellen Beobachtungen zu ihrem Alltagsleben an und werten Tagebücher von Schwangeren aus. Die Interviews werden aufgezeichnet, verschriftlicht, annotiert und in Teamsitzungen Zeile für Zeile analysiert. Im Vergleich der Fälle ergeben sich überraschende Einsichten in das Befremdliche des Vertrauten.

Erkenntnisse und Perspektiven

Kreise von Schwangerschaftsteilnehmern
Kreise von Schwangerschaftsteilnehmern
© DFG

Die „soziale Schwangerschaft“ beginnt lange vor einer Befruchtung in Form von Erwartungen, die sich vor allem an Frauen richten – und sie verläuft nicht linear wie die embryonale Entwicklung. Frühe Wünsche und ärztliche Urteile, aber auch erste Kindsregungen oder die Namensgebung sind Schwellen, die das Erleben der Schwangerschaft verändern. Zu den Perspektiven des Projektes gehören die Fragen, die es weitertreiben: Sind Schwangere allein oder zu zweit? Wieso müssen Schwangere „Frauen“ sein? Wie werden Ungeborene für ihre Eltern zu Personen? Wie machen Schwangere aus einem „Übelkeitserreger“ ein Familienmitglied?


Projektinformationen

Projekttitel: Pränatale Sozialität. Zu einer Soziologie der Schwangerschaft
Projektleitung: Prof. Dr. Stefan Hirschauer
Förderzeitraum: 2008 – 2013
Kontakt: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, www.soziologie.uni-mainz.de/FB02/hirschauer/index.php

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Weitere Informationen zum Projekt "Pränatale Sozialität. Geschlechterdifferenzierung in der Schwangerschaft und die Konstitution vorgeburtlicher Personen" finden Sie im DFG-Informationssystem GEPRIS [ mehr ]

Zusatzinformationen

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