Überschrift: Stimmt die Chemie im Bild?

Künstlerfarben haben sich im 20. Jahrhundert grundlegend verändert. Viele aus der Natur gewonnene Mittel verschwanden und machten Platz für synthetische organische Pigmente aus der chemischen Industrie. Mit neuen zerstörungsarmen Analysemethoden, die am Doerner Institut in München weiter entwickelt wurden, kann man diese Farben nun besser identifizieren und damit Kunstfälschern leichter auf die Schliche kommen.

Die Projektidee

Probenahme an einem Gemälde
Probenahme an einem Gemälde
© Haydar Koyupinar

Synthetische organische Pigmente lassen sich oft nur schwer bestimmen. Ihre Farben sind sehr intensiv und liegen daher meist nur in geringer Menge vor. Doch ihre genaue Identifizierung ist für die Forschung, die Restaurierung oder das Aufdecken von Fälschungsfällen unentbehrlich. Heike Stege und ihr Team haben eine Analysestrategie für organische Pigmente entwickelt, die mit kleinsten Gemäldeproben auskommt. Mit Untersuchungen von Malpaletten, historischen Farbtuben und Gemälden konnten sie das Wissen über organische Pigmente in Künstlerfarben deutlich erweitern.

Die Forschungsarbeit

Messung an einem Raman-Mikroskop
Messung an einem Raman-Mikroskop
© Nicole Wilhelms

 

Für die Bestimmung der Pigmente haben die Wissenschaftler Methoden aus der Chemie und Physik kombiniert. Besonders aussagekräftige Untersuchungen ermöglichte die Raman-Mikroskopie. Bei diesem Verfahren werden die Moleküle von Farbpigmenten in Schwingung versetzt und die dabei entstehenden Spektren mit denen von bekannten Substanzen verglichen. Für diese Vergleiche haben die Wissenschaftler eine umfangreiche Referenzdatenbank angelegt. Recherchen zur Geschichte, Chemie und Markteinführung der frühen Teerfarbstoffe ergänzten das nötige Hintergrundwissen.

Erkenntnisse und Perspektiven

Sammlung historischer Pigmente
Sammlung historischer Pigmente
© Nicole Wilhelms

 

Mit den neuen Analysemethoden können Experten bisher angezweifelte Kunstwerke jetzt exakt datieren – was einigen Kunstfälschern schon zum Verhängnis wurde. Restauratoren profitieren ebenfalls: Sie können zum Beispiel klären, ob sich die Farben eines Gemäldes mit der Zeit verändert haben oder welche Lösemittel sich zur Reinigung eignen. Und wir lernen Neues über die alten Meister: Durch den Nachweis eines ungewöhnlichen Fluoreszenzpigments konnte das Münchner Team zeigen, dass Max Beckmann für ein Selbstporträt im Amsterdamer Exil billige Theaterfarbe benutzte – ein Schlaglicht auf seine Lebensumstände in diesen Jahren.


Projektinformationen

Projekttitel: Pigmente im Wandel – Künstlerfarben des 20./21. Jahrhunderts und Möglichkeiten ihrer zerstörungsarmen, analytischen Identifizierung
Projektleitung: Priv.-Doz. Dr. Heike Stege
Förderzeitraum: 2005 - 2008
Kontakt: Doerner Institut, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, www.doernerinstitut.de

Logo von Gepris

Weitere Informationen zum Projekt "Pigmente im Wandel (Künstlerfarben des 20. / 21. Jahrhunderts und Möglichkeiten ihrer zerstörungsarmen, analytischen Identifizierung)"  finden Sie im DFG-Informationssystem GEPRIS [ mehr ]

Zusatzinformationen

© 2010-2019 DFG Letzte Aktualisierung: 29.08.2016 Sitemap   |  Impressum  |  Datenschutzhinweise  |  Kontakt  |  Service

Textvergrößerung und Kontrastanpassung