Zeit für Wissenschaft

Bundespräsident als Ehrengast auf der Dortmunder Festveranstaltung / Gauck: Wissenschaft soll sich mehr in öffentliche Debatten einmischen / Kleiner: Universitäten sind Herzstücke des Wissenschaftssystems

Vor der Festveranstaltung: Gruppenbild mit Bundespräsident
Vor der Festveranstaltung: Gruppenbild mit Bundespräsident
© DFG / Bildschön

Öffnen (jpg)

Das Motto war griffig und vielsagend zugleich: "Zeit für Wissenschaft" stand in großen Lettern auf der Stirnseite im Audimax der Technischen Universität Dortmund, wo am 4. Juli 2012 die Festversammlung im Rahmen der DFG-Jahresversammlung stattfand. "Zeit für Wissenschaft" hatten sich an diesem Nachmittag nicht nur 450 Gäste aus Wissenschaft, Politik und Medien genommen, sondern auch Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauck, der hundert Tage nach seinem Amtsantritt erstmals eine Universität mit einem Besuch beehrte. Umso mehr wurde die Festansprache des Staatsoberhaupts zu Fragen von Wissenschaft und Forschung voller Spannung erwartet.

Nach der Begrüßung des hohen Gastes aus Berlin hieß DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner besonders Professor Peter Strohschneider willkommen, der am Vormittag von der Mitgliederversammlung der DFG in Dortmund zum künftigen Präsidenten gewählt worden war und sein Amt am 1. Januar 2013 als Nachfolger des nach sechs Jahren turnusmäßig ausscheidenden Amtsinhabers Kleiner antreten wird. Dann führte ein Kaleidoskop Impressionen aus der Grundlagenforschung, Momente aus der Förderarbeit, aus Gremiensitzungen und den öffentlichen Auftritten der DFG in einem Bilderreigen zusammen und machte so anschaulich, wofür die DFG ihre Zeit und ihre Mittel im Dienst der Grundlagenforschung einsetzt. "Zeit für Wissenschaft", so zeigte das Kaleidoskop, lässt sich in vielfältiger Weise buchstabieren, zum Beispiel als "Zeit für Qualität", "Zeit für Neugier" oder auch "Zeit für gemeinsames Handeln".

Bundespräsident Joachim Gauck
Bundespräsident Joachim Gauck
© DFG / Bildschön

Plädoyer für eine sich einmischende Wissenschaft

Das machte auf ihre Art auch die Ansprache von Bundespräsident Joachim Gauck deutlich. Dieser forderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf, sich in öffentlichen Debatten um gesellschaftspolitische Zukunftsfragen lauter zu Wort zu melden: "Auch als hoch spezialisierte Forscher und Forscherinnen sind und bleiben Sie der Gesellschaft verpflichtet. Warum, frage ich mich, sind in den öffentlichen Debatten über unsere Zukunft die Stimmen aus Physik, Ökonomie, aus den Ingenieur-, Lebens- oder Kulturwissenschaften nicht prominenter zu hören."

Um Menschen an der Wissenschaft teilhaben zu lassen, sollten Forscherinnen und Forscher in bester angloamerikanischer Tradition auch hierzulande ihre Erkenntnisse und Sichtweisen (allgemein)verständlich ausdrücken und kommunizieren. Gauck: "Es gibt keine noch so schwierige Formel, die man nicht in eine verständliche Form gießen kann." Insofern zähle es zur öffentlichen und gesellschaftlichen Verantwortung der Wissenschaften, die eigenen Ergebnisse zu übersetzen. Fazit des Bundespräsidenten: "Wir müssen uns um ein Gespräch bemühen, denn die Gesellschaft reicht so weit, wie die Verständigung reicht."

Applaus im Dortmunder Audimax
Applaus im Dortmunder Audimax
© DFG / Bildschön

Öffnen (jpg)

Von der Kunst des Ausbalancierens

Um grundsätzliche Überlegungen ging es auch DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner, der seine Ansprache unter das Thema "Balance halten" stellte. Als Ausgangspunkt und im Mittelpunkt allen Förderhandelns, so unterstrich Kleiner, hätten in erster Linie die "Anforderungen der konkreten Forschungspraxis" zu stehen, was allerdings nicht ohne Spannungen zu haben und zu denken sei. So hob Kleiner einerseits hervor, dass "der Wettbewerb um Fördermittel und die damit verbundenen Peer-Review-Verfahren eine für die Entwicklung der Forschungsgebiete dynamisierende und katalytische Funktion hat." Andererseits zeige sich in der Forschungspraxis, "dass Wissenschaft neben Räumen für Konzentration und Produktivität auch Ruhephasen zur Entwicklung und Entfaltung braucht". Kleiner wörtlich: "Heute braucht Wissenschaft nichts so sehr wie Entschleunigung, Muße und Ruhe." – "Zeit für Wissenschaft" im umfassenden Sinn.

Der Kirchenhistoriker Prof. Hubert Wolf aus Münster begeisterte mit seinem Festvortrag
Der Kirchenhistoriker Prof. Hubert Wolf aus Münster begeisterte mit seinem Festvortrag
© DFG / Bildschön

Öffnen (jpg)

Mit Blick auf Umsetzungsfelder wie die Modularisierung der DFG-Förderprogramme, die Internationalisierungsstrategie und die transnationale Interessenvertretung der Wissenschaft stehe die DFG für "die Perspektive der Forschung".  Damit verbinden sich nach Auffassung des DFG-Präsidenten richtungsweisende Fragen zur Zukunft des Wissenschaftssystems und seiner Finanzierung. Auch hier gehe es um die Balance zwischen projektbezogenen Drittmitteln auf der einen und universitärer Grundfinanzierung auf der anderen Seite. Schließlich seien und blieben "die Universitäten das Herzstück unseres Wissenschaftssystems", appellierte der DFG-Präsident und setzte hinzu: "Die DFG ist mit ihren Förderprogrammen und ihren Erfahrungen aus der Exzellenzinitiative darauf vorbereitet, dazu ihren Beitrag zu liefern und die Universitäten darin zu unterstützen."

 

 

Hochschulen als Motoren des Wandels

Die Universitäten als Orte wissenschaftsgetriebener Innovationen zu sehen – dafür hatte auch die Rektorin der gastgebenden TU Dortmund, Professor Ursula Gather, geworben. Sie stellte heraus, dass im Schatten der TU Dortmund der "größte Technologiepark im Umfeld einer deutschen Universität entstanden sei", der wesentlich zum Strukturwandel an Rhein und Ruhr beigetragen habe, sodass heute das Ruhrgebiet als eine "starke Wissenschaftsregion" dastehe.

Der Kammerchor der TU Dortmund
Der Kammerchor der TU Dortmund
© DFG / Bildschön

Öffnen (jpg)

Für die Wissenschaft von morgen

Den Festvortrag hielt der katholische Theologe Professor Hubert Wolf zum Thema „Sant’ Ambrogio – ein Nonnenkloster und die Inquisition“. Dabei zeichnete der Gottfried Wilhelm Leibniz- und Communicator-Preisträger der DFG anschaulich und mit rhetorischer Verve eine spannende Kriminalgeschichte zu einem Inquisitionsprozesses aus dem 19. Jahrhundert nach.

Umrahmt wurde die Festveranstaltung von einigen musikalischen Einlagen, wobei der traditionsreiche Kammerchor der TU Dortmund mit Stücken wie "The Fountain" von Edward Elgar und "Fyre, fyre" von Thomas Morley besonders zu gefallen wusste. Nach Ansprachen und Musik wurde die Festveranstaltung zum Empfang ins benachbarte Mensagebäude der TU Dortmund entlassen. Dort dankte Bundesforschungsministerin Professor Annette Schavan in ihrem Grußwort dem bis zum 31. Dezember 2012 amtierenden DFG-Präsidenten Matthias Kleiner für seine Arbeit und beglückwünschte den designierten DFG-Präsidenten Peter Strohschneider zu seiner Wahl. Insbesondere würdigte Schavan Kleiners impulsgebende Rolle bei der strukturellen Weiterbildung der deutschen Forschungslandschaft, sein Eintreten für die Hochschulen als "Herzstücke des Wissenschaftssystems" sowie forschungsstrategische DFG-Initiativen als "wichtige Schritte in Europa". Auch Doris Ahnen, Staatsministerin für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz, dankte ihrerseits Kleiner für seine "exzellente Arbeit". Die stellvertretende Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz hob hervor, dass sie sich dankbar der DFG, "um die wir in Deutschland und in Europa beneidet werden", verbunden wisse. Zugleich sprach sie sich im Interesse nachhaltiger Wirkungen für einen noch engeren "Schulterschluss zwischen Bund und Ländern" in der Wissenschafts- und Forschungspolitik aus.

Dr. Rembert Unterstell, Chef vom Dienst der DFG-Zeitschrift "forschung"

Zusatzinformationen


Impressionen rund um die Festveranstaltung

Die DFG im Gespräch mit Gauck: Der Bundespräsident, DFG-Präsident Kleiner und Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek (v.r.n.l.)

Die DFG im Gespräch mit Gauck: Der Bundespräsident, DFG-Präsident Kleiner und Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek (v.r.n.l.)
© DFG / Bildschön

Impressionen rund um die Festveranstaltung

Die DFG im Gespräch mit Gauck: Der Bundespräsident, DFG-Präsident Kleiner und Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek (v.r.n.l.)
Die DFG im Gespräch mit Gauck: Der Bundespräsident, DFG-Präsident Kleiner und Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek (v.r.n.l.)
© DFG / Bildschön


Öffnen (jpg)

Der Bundespräsident blieb auch zum anschließenden Empfang
Der Bundespräsident blieb auch zum anschließenden Empfang
© DFG / Bildschön


Öffnen (jpg)

Neuwahl in Dortmund: DFG-Präsident Matthias Kleiner und sein gewählter Nachfolger Peter Strohschneider
Neuwahl in Dortmund: DFG-Präsident Matthias Kleiner und sein gewählter Nachfolger Peter Strohschneider
© DFG / Bildschön


Öffnen (jpg)

Bundesministerin Annette Schavan auf dem Empfang
Bundesministerin Annette Schavan auf dem Empfang
© DFG / Bildschön


Öffnen (jpg)

Ministerin Doris Ahnen
Ministerin Doris Ahnen
© DFG / Bildschön


Öffnen (jpg)

In Dortmund waren auch Stationen der Ausstellung
In Dortmund waren auch Stationen der Ausstellung "Von der Idee zur Erkenntnis" zu sehen
© DFG / Bildschön


Öffnen (jpg)

© 2010-2017 DFG Aktualisierungsdatum: 23.07.2014Sitemap  |  Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Kontakt  |  RSS Feeds

Textvergrößerung und Kontrastanpassung