Die Kraft der Vernetzung von Menschen und Ideen

DFG-Veranstaltung zur Internationalisierung der Forschung im Rahmen des Pakts für Forschung und Innovation

Positiver Ausblick - die Diskutanden der Veranstaltung im Französischen Dom
Positiver Ausblick - die Diskutanden der Veranstaltung im Französischen Dom
© DFG/ Fotografin Katja-Julia Fischer

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Wissenschaftliches Denken entwickelt sich stets im Austausch von Gedanken und Ideen und ist damit per se international. Gute Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finden heute die besten Partner weltweit meist von selbst. Voraussetzung hierfür sind jedoch entsprechende strukturelle und finanzielle Bedingungen. Zum Austausch darüber, was aus Sicht der Forschungs- und Förderorganisationen und der Politik zu tun ist, um den Standort Deutschland in diesem Sinne noch attraktiver zu machen, hatte die DFG im Rahmen des Pakts für Forschung und Innovation am 28. Oktober nach Berlin geladen. Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik und Diplomatie waren der Einladung in den Französischen Dom gefolgt.

Um international erfolgreich zu sein, müssen zunächst die Rahmenbedingungen im eigenen Land stimmen. DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner zog zum Ende der ersten Förderperiode des Paktes für Forschung und Innovation in seiner Begrüßung und seinem Eingangsstatement eine positive Zwischenbilanz. Die Maßnahmen, um Deutschland attraktiv zu machen, zeigten erste Erfolge. Der Pakt ziele gemeinsam mit dem Hochschulpakt und der Exzellenzinitiative auf eine Strukturänderung, die unbedingt finanzielle Nachhaltigkeit erfordere, um langfristig wirken zu können. „Das gilt nicht nur für die Internationalisierung, sondern für alle mit dem Pakt verfolgten Ziele“, sagte Kleiner.

Staatssekretär Dr. Georg Schütte aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung formulierte in seinem Eingangsstatement ebenfalls den Anspruch, dass Deutschland die richtigen  Rahmenbedingungen brauche, um international wettbewerbsfähig zu sein. Die Generalsekretärin der DFG, Dorothee Dzwonnek, nahm das in ihrer Zusammenfassung wieder auf. „ Hier steht besonders der wissenschaftliche Nachwuchs im Fokus“, sagte sie. Für ihn müsse es transparentere und besser strukturierte Karrierewege und Berufungsverfahren geben. Immer wieder sprachen die Teilnehmenden  auch die rechtlichen und organisatorischen Hürden für internationale Kooperation wie Rentenversicherungsfragen an. Die Universitäten und andere Wissenschaftseinrichtungen wünschten sich vor allem mehr Autonomie – die Wissenschaftsfreiheitsinitiative wurde einhellig begrüßt. Als Gastgeber mahnte DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner mit Blick auf den demografischen Wandel und den abzusehenden Akademikermangel eine wissenschaftsadäquate Regelung von Zuwanderung durch die Politik an.

Dass Deutschland dank seiner Wissenschaftspolitik gut da steht, machte nicht zuletzt Professor Dieter Imboden vom Schweizerischen Nationalfonds in seinem Impulsvortrag klar. Als Schweizer blicke er schon neidvoll nach Deutschland: „Nicht jeder Staat hat in den Zeiten der Wirtschaftskrise den Mut, in Wissenschaft und Bildung zu investieren.“ Und auch Professor Karl Ulrich Mayer, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, und Professor Ulrich Buller, Vorstand Forschungsplanung der Fraunhofer-Gesellschaft, stellten in ihren Vorträgen fest, dass Deutschland auf vielen Feldern führend sei. Nicht zuletzt die großen Infrastruktureinrichtungen in Deutschland, die besonders die Helmholtz-Gemeinschaft betreibt, und die Beteiligung an internationalen Großprojekten machten laut Professor Eberhard Umbach, Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Deutschland für Forschende attraktiv. Dazu gehörten neben den großen Kernforschungseinrichtungen wie der Röntgenquelle XFEL in Hamburg, dem Beschleuniger FAIR in Darmstadt oder dem Forschungsreaktor ITER in Frankreich auch Großrechner, Flugzeuge und Schiffe. „Deutschland steht insgesamt gut da“, summierte Professor Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, in der abschließenden Podiumsdiskussion, „und dank der vielen guten Initiativen auch viel besser als vor 10 bis 15 Jahren. Bei uns bewerben sich heute junge Menschen aus der ganzen Welt. Das zeigt, dass Deutschland als Standort attraktiv ist.“

Wie internationale Zusammenarbeit auf ganz unterschiedlichen Ebenen funktioniert, illustrierte Professor Wolfgang Schön, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, anhand historischer Beispiele. Er führte die Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft 1911 mit der ersten großen internationalen Physiker-Konferenz, dem Solvay-Kongress 1911, und der Schenkung der italienischen Hertziana-Sammlung durch Henriette Hertz 1913 zusammen mit den heutigen Aktivitäten der MPG auf internationalem Parkett. Diese reichen in verschiedenen Varianten vom persönlichen Kontakt bis zu Institutsgründungen im Ausland. Dabei orientiere sich die optimale Kooperation immer an dem zu erwartenden Mehrwert.

Doch Mehrwert ergibt sich nicht allein aus Zusammenarbeit: „In der Wissenschaft ist das Verhältnis zwischen Kooperation und Konkurrenz ein delikates und insbesondere Grundlagenforschung lebt vom Wettbewerb“, illustrierte Imboden die Notwendigkeit des „sich Messens“. Diese These weitete Mayer in seinem Vortrag sogar noch aus: „Wissenschaftlicher Wettbewerb geht nur im internationalen Kontext.“ Mit Blick nach Europa plädierte Imboden als amtierender Präsident der EUROHORCs (European Heads of Research Councils) zudem für weniger Koordination durch die EU-Kommission und für mehr Offenheit. Dabei spiele die Subsidiarität eine große Rolle. Imboden und Kleiner zeigten zudem auf, wohin der Weg der Forschungsförderung in Europa gehen kann. Das Ziel sei eine European Grants Union, in der allein die Qualität der Forschung über Förderung entscheide. Ein erster Schritt dorthin ist die im kommenden Jahr geplante Zusammenlegung von ESF (European Science Foundation) und EUROHORCs zu einer Organisation. Kleiner wünschte sich mit Verweis auf die deutschen Erfolgsmodelle von der europäischen Seite etwas mehr Geduld.

Buller definierte in seinem Vortrag über das internationale Engagement der Fraunhofer-Gesellschaft die EU als Kernmarkt. Die USA seien noch der Leitmarkt, aber der Zukunftsmarkt sei Asien. Diese und andere Einschätzungen der Wirtschaft ließen sich auch auf das wissenschaftliche Handeln übertragen. Die Fraunhofer-Gesellschaft, die als Forschungsdienstleister im Jahr 2009 rund 92 Millionen Euro im Ausland erwirtschaftete, setzt ebenfalls auf verschiedene organisatorische Konstrukte der Zusammenarbeit. Den Wunsch nach stärkerer Präsenz im Ausland teilt sie dabei mit allen Forschungsorganisationen.

Eine universelle Internationalisierungsstrategie hielten die Teilnehmenden trotz ähnlicher Ziele und Strukturen jedoch für „zu viel des Guten“. Dorothee Dzwonnek formulierte es so: „Alle Organisationen tun im Rahmen ihrer Mission das, was sie können. Die Aktivitäten ergänzen sich.“ Komplementäre Ansätze seien auch hier ein Weg zum Erfolg. Sie betonte, dass die deutsche Wissenschaft mit dem Pakt für Forschung und Innovation auf einem guten Weg sei, und benannte noch einmal die „Kraft der Vernetzung von Menschen und Ideen“ als Basis für exzellente Wissenschaft.

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