30. Bundestagung der KoWi: „Die Wissenschaft in Deutschland kann von Horizon Europe profitieren“

Am 20. und 21. Juni 2018 trafen sich etwa 350 EU-Forschungsreferentinnen und -referenten der deutschen Hochschulen an der Universität Bremen / Austausch über das aktuelle und das zukünftige EU-Forschungsrahmenprogramm

(v.l.) KoWi-Leiter Dr. Torsten Fischer, Dr. Wolfgang Burtscher, bei der EU-Kommission Stell-vertretender Generaldirektor der Generaldirektion Forschung und Innovation, DFG-Generalsekretärin Prof. Dorothee Dzwonnek, Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der HRK, und Dr. Erik Hansalek, Referatsleiter Forschungspolitik und -programme der EU im BMBF
(v.l.) KoWi-Leiter Dr. Torsten Fischer, Dr. Wolfgang Burtscher, bei der EU-Kommission Stell-vertretender Generaldirektor der Generaldirektion Forschung und Innovation, DFG-Generalsekretärin Prof. Dorothee Dzwonnek, Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der HRK, und Dr. Erik Hansalek, Referatsleiter Forschungspolitik und -programme der EU im BMBF
© © Harald Rehling / Universität Bremen
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(v.l.) KoWi-Leiter Dr. Torsten Fischer, Dr. Wolfgang Burtscher, bei der EU-Kommission Stell-vertretender Generaldirektor der Generaldirektion Forschung und Innovation, DFG-Generalsekretärin Prof. Dorothee Dzwonnek, Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der HRK, und Dr. Erik Hansalek, Referatsleiter Forschungspolitik und -programme der EU im BMBF
(v.l.) KoWi-Leiter Dr. Torsten Fischer, Dr. Wolfgang Burtscher, bei der EU-Kommission Stell-vertretender Generaldirektor der Generaldirektion Forschung und Innovation, DFG-Generalsekretärin Prof. Dorothee Dzwonnek, Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der HRK, und Dr. Erik Hansalek, Referatsleiter Forschungspolitik und -programme der EU im BMBF
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Zu Beginn der KoWi-Tagung begrüßte der Bremer Universitätsrektor Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter die circa 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an seiner Hochschule
Zu Beginn der KoWi-Tagung begrüßte der Bremer Universitätsrektor Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter die circa 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an seiner Hochschule
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Der Bremer Wissenschaftsstaatsrat Gerd-Rüdiger Kück sprach ebenfalls ein Grußwort – und lud die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem Abendempfang im Bremer Rathaus
Der Bremer Wissenschaftsstaatsrat Gerd-Rüdiger Kück sprach ebenfalls ein Grußwort – und lud die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem Abendempfang im Bremer Rathaus
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DFG-Generalsekretärin Dzwonnek lobte die KoWi als „zentrale Ansprechpartnerin in allen Fragen der EU-Forschungsförderung“
DFG-Generalsekretärin Dzwonnek lobte die KoWi als „zentrale Ansprechpartnerin in allen Fragen der EU-Forschungsförderung“
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Im Hörsaalgebäude der Universität Bremen tauschten sich vor allem EU-Forschungsreferentinnen und -referenten der deutschen Hochschulen aus. Neben dem neu-en Forschungsrahmenprogramm der EU diskutierten sie auch über die strategische Nutzung von Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen oder darüber, wie man Bürger an Forschungspro-jekten beteiligen kann
Im Hörsaalgebäude der Universität Bremen tauschten sich vor allem EU-Forschungsreferentinnen und -referenten der deutschen Hochschulen aus. Neben dem neu-en Forschungsrahmenprogramm der EU diskutierten sie auch über die strategische Nutzung von Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen oder darüber, wie man Bürger an Forschungspro-jekten beteiligen kann
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Am Rande der Tagung boten sich zahlreiche Gelegenheiten zur Vernetzung
Am Rande der Tagung boten sich zahlreiche Gelegenheiten zur Vernetzung
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Ein Thema stand bei der 30. Bundestagung der „Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen“, kurz KoWi, besonders im Mittelpunkt: Das 9. Forschungsrahmenprogramm der EU mit dem Titel „Horizon Europe“, für das die Europäische Kommission erst kürzlich ihren Vorschlag veröffentlicht hatte und das ab 2021 in Kraft treten soll. Ist das veranschlagte Budget der Kommission von rund 100 Milliarden Euro für einen Zeitraum von sieben Jahren ausreichend? Wie stellt sich die Kommission die Ausgestaltung der neuen Themencluster und Missionen vor? Und warum spricht die Kommission im Bereich der Grundlagenforschung nunmehr von Open Science anstelle von Excellent Science? Solche und weitere Fragen zu dem Vorschlag sowie seine Bedeutung für die Wissenschaft in Deutschland diskutierte ein hochrangiges Podium am Nachmittag des ersten Tages der Tagung.

Für Dr. Wolfgang Burtscher, bei der EU-Kommission Stellvertretender Generaldirektor der Generaldirektion Forschung und Innovation, stellt Horizon Europe eine gute Mischung aus Altbewährtem und Neuem dar. So bleibe die Strukturierung des Programms in drei Säulen unverändert. Auch der European Research Council (ERC) und die Förderung von Forschungsinfrastrukturen funktioniere nach bewährten Mustern. Neu sei hingegen, dass die aus Horizon 2020 bekannten Themen der sogenannten „Societal Challenges“ nun in fünf Themenclustern zusammengefasst würden, zu denen jeweils konkrete Missionen benannt werden sollen.

Wie diese Missionen konkret zustande kommen sollen, lässt der Kommissions-Vorschlag bislang jedoch offen – und bietet so Raum für Spekulationen und Forderungen. Dr. Erik Hansalek, Referatsleiter für Forschungspolitik und -programme der EU im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), forderte im Rahmen der Podiumsdiskussion sogleich, die Mitgliedsstaaten sollten über die thematische Ausgestaltung der Missionen mitentscheiden dürfen. Insgesamt zeigte er sich aber zufrieden: „Horizon Europe vollzieht keinen Paradigmenwechsel, sondern ist eine sinnvolle Weiterentwicklung der funktionierenden Forschungsförderinstrumente“, sagte Hansalek.

Burtscher bezog auch Stellung zu der Kritik am veranschlagten Budget von 100 Milliarden Euro, das vielen trotz Aufwüchsen nicht ausreicht – so hatte etwa eine Expertengruppe um den französischen Politiker Pascal Lamy einen Bedarf von rund 160 Milliarden Euro berechnet. „Für das 9. Forschungsrahmenprogramm“, so Burtscher, „gelten veränderte Bedingungen, die wir bei aller Kritik bedenken müssen“: Wegen des Brexits falle einerseits ein finanzkräftiger Nettozahler weg, andererseits aber auch diejenige Forschungsnation, die bislang finanziell am meisten vom Rahmenprogramm profitiert habe. Zudem sei der Budgetzuwachs von 30 Prozent im Vergleich zum aktuellen Programm Horizon 2020 sehr positiv zu bewerten – schließlich forderten auch andere Politikfelder wie die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik ihrerseits kräftige Budgeterhöhungen. „Das Glas ist definitiv halbvoll und nicht halbleer“, befand Burtscher.

DFG-Generalsekretärin Prof. Dorothee Dzwonnek kritisierte am Vorschlag der EU-Kommission insbesondere den Wegfall des Exzellenz-Begriffs. So trage die erste Säule den Titel Open Science statt wie bislang Excellent Science. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), schlug in eine ähnliche Kerbe: Open Science automatisch als „gute Wissenschaft“ anzusehen, sei problematisch. Burtscher wollte die Benennung jedoch nicht überbewertet wissen wollen, auch bei Open Science gehe es in erster Linie um exzellente Forschung.

Dzwonnek zeigte sich überzeugt, dass die nationale Forschungsförderung in Deutschland hervorragend mit der Förderung auf europäischer Ebene harmoniere und sich beide gegenseitig ergänzten. Internationale Kooperationen seien dabei auch ohne EU-Förderung möglich: „15 bis 20 Prozent der von der DFG geförderten Projekte weisen heute schon eine internationale Beteiligung auf. Unabhängig von EU-Förderung arbeiten wir eng mit internationalen und europäischen Partnerorganisationen zusammen, sei es mit ANR in Frankreich oder NCN in Polen.“ Hier würden immer wieder neue Möglichkeiten der bilateralen Zusammenarbeit ausgelotet und neue Ausschreibungen gestartet. Deshalb könne EU-Förderung auch keineswegs die nationale Förderung ersetzen, vielmehr bedürfe es der Komplementarität der beiden. Hansalek formulierte es so: „Die EU-Staaten sollten nicht immer nur auf EU-Förderung schielen, sondern vor allem untereinander kooperieren und ihre Förderprogramme für Partner aus dem europäischen Ausland öffnen.“

Gerade weil nationale und europäische Förderung sich so sinnvoll ergänzten, sei die Wissenschaft in Deutschland für die Zukunft gut aufgestellt – so lautete denn auch ein Fazit der Diskussion. „Die Wissenschaft in Deutschland wird von Horizon Europe profitieren können“, fasste KoWi-Leiter und Moderator Dr. Torsten Fischer eine zweite Schlussfolgerung zusammen. Dorothee Dzwonnek wiederum formulierte abschließend als „gemeinsames Anliegen, die hohe Beteiligung der deutschen Wissenschaft an den EU-Förderprogrammen auf dem erfreulichen Niveau der Gegenwart zu halten.“


Die Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen (KoWi)

Die KoWi ist eine gemeinsame Serviceplattform der großen deutschen Wissenschaftsorganisationen, die von der DFG finanziert wird und Büros in Bonn und Brüssel unterhält. Durch Information, Beratung und Schulung unterstützt die KoWi Forscherinnen und Forscher in Deutschland im Wettbewerb um Fördermittel aus dem Forschungsrahmenprogramm der EU. Bei ihrer 30. Bundestagung ging es in Bremen neben Horizon Europe auch um Bürgerbeteiligung in der Forschung, neue Stakeholder in EU-Projekten oder die strategische Nutzung von Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen.

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