Afrikas Forschungsförderung: Gemeinsam mehr erreichen

DFG veranstaltet vom 24. bis 29. April 2016 die Konferenz "Science Africa" in Königswinter / 17 afrikanische Forschungsförderorganisationen vertreten

Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Science Africa in Königswinter
Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Science Africa in Königswinter
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Im Jahr 2011 haben europäische Forschungs- und Förderorganisationen auf dem Gebiet der Grundlagenforschung in Europa eine Vereinigung gegründet. Ihr Name: Science Europe. Mithilfe eines gemeinsamen Büros in Brüssel bündeln 47 Organisationen ihre Kräfte, um innerhalb der EU und der European Research Area (ERA) gemeinsam wissenschaftsbezogene Interessen der erkenntnisgeleiteten Forschung einzubringen.

Und nun also: Science Africa. Dies ist der, durchaus ambitionierte, Titel einer Konferenz mit angeschlossenem Workshop, den die DFG vom 24. bis 29. April 2016 in enger Kooperation mit ihrer südafrikanischen Partnerorganisation National Research Foundation (NRF) durchgeführt hat. Neben den Südafrikanern waren Vertreterinnen und Vertreter von Forschungs- und Forschungsförderorganisationen etlicher weiterer afrikanischer Länder nach Königswinter gereist, um sich dort untereinander zu vernetzen, und für ähnliche Probleme gemeinsame Lösungen zu finden. Längst ist noch kein Vernetzungsgrad erreicht, wie ihn die Europäer mit Science Europe mittlerweile besitzen, man startet praktisch bei null – aber der ambitionierte Titel gibt die Richtung vor.

„Wir teilen dieselben Werte“, DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek
„Wir teilen dieselben Werte“, DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek
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Wissenschaft, Technologie und Innovation sind Grundvoraussetzungen für Wachstum

Warum sind funktionierende nationale Wissenschaftssysteme für die afrikanischen Staaten so wichtig? Gibt es nicht dringlichere Probleme? Ann Weston von dem kanadischen IDRC (International Development Research Centre) erklärte zur Eröffnung der Konferenz in Königswinter die Zusammenhänge: „Wissenschaft, Technologie und Innovation gelten heute als Grundvoraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit“, so Weston. Auch in Afrika werde die Bedeutsamkeit von Wissenschaft immer stärker erkannt und in politisches Handeln umgesetzt. „Den einzelnen afrikanischen Staaten mangelt es jedoch schlicht an finanziellen Mitteln, um Wissenschaft, Technologie und Innovation nachhaltig zu fördern“, sagte Weston. Darüber hinaus gebe es nur wenige handlungsfähige Akteure innerhalb der nationalen Wissenschaftssysteme und diese seien nur wenig durchsetzungsstark.

Gerade deshalb seien Wissenschaftsförderorganisationen so wichtig für die Entwicklung Afrikas – sie könnten das beschriebene Vakuum füllen, indem sie Gelder für Forschung und Entwicklung bereitstellen, Forschungsagenden aufstellen und umsetzen und eine starke Lobby für Wissenschaft und Forschung schaffen. Doch momentan fehle es, so Weston, den einzelnen Forschungsförderorganisationen noch an finanzieller Ausstattung und der Vernetzung mit anderen internen und externen Wissenschaftsakteuren. Hier setzt deshalb ihre Organisation, das IDRC, an: Die Forschungsförderorganisationen der 17 teilnehmenden Sub-Sahara-Staaten sollen befähigt werden, in ihren jeweiligen Ländern eigenständig Forschung adäquat zu fördern.

Erste Schritte Richtung „Science Africa“

Vertreterinnen und Vertreter eben jener 17 Forschungsförderorganisationen aus Sub-Sahara-Afrika sind in der verregneten letzten Aprilwoche auf Initiative der DFG in Königswinter zusammengekommen – es soll der erste kleine Schritt sein, um eine funktionstüchtige Vereinigung afrikanischer Forschungsförderer zu bilden. Darüber hinaus sollen auch die Beziehungen zwischen afrikanischen und deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausgeweitet werden. „Wir teilen dieselben wissenschaftlichen Werte“, sagte DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek, „und hier in Königswinter wollen wir diskutieren, wie wir die Beziehungen zwischen afrikanischen und nicht-afrikanischen Institutionen und Forscherinnen und Forschern verbessern und vertiefen können.“

Viele afrikanische Förderorganisationen berichten von ähnlichen Problemen, etwa Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Gutachtern
Viele afrikanische Förderorganisationen berichten von ähnlichen Problemen, etwa Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Gutachtern
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Dazu gliederte sich die zweitägige Science Africa-Konferenz in zwei Teile: Zunächst präsentierten die einzelnen African Science Granting Councils, also die Förderorganisationen, ihre jeweilige Organisationsstruktur und nahmen Bezug darauf, wie sie Förderanträge managen, wie einzelne Forschungsprojekte ausgewählt werden und wie der Review Prozess funktioniert. Auch Themen wie Evaluation und die Festlegung von Förderprioritäten wurden angesprochen. In einem zweiten Schritt präsentierten dann europäische und internationale Wissenschaftsmanagerinnen und -manager die Funktions- und Arbeitsweise ihrer Organisationen: Neben der DFG waren fünf weitere europäische Forschungsförderorganisationen vor Ort, dazu kamen vier internationale Organisationen aus den USA, Kanada und Japan. Auch weitere Organisationen aus Deutschland (BMBF, DLR, DAAD, AvH, Volkswagenstiftung und WGL) stellten sich und ihre Afrika-Strategie vor.

In Afrika forschen mehr Frauen

Die kurzen Vorträge von afrikanischer Seite fügten sich Stück für Stück zu einem Gesamtbild der afrikanischen Forschungsförderlandschaft zusammen und deckten dabei einige länderübergreifende, grundlegende Probleme auf, etwa zu kleine Förderbudgets oder die Schwierigkeit, geeignete Gutachter zu finden. Doch es gab auch Positives, zum Beispiel die teilweise hohen Förderquoten für Frauen in den afrikanischen Ländern – davon könne man in Europa und in Deutschland nur träumen, bemerkte Dr. Jörg Schneider, Leiter der Gruppe Internationale Zusammenarbeit der DFG. „Wir sind hier nicht nur zusammengekommen, um unsere langjährigen Erfahrungen im Förderhandeln und Wissenschaftsmanagement mit den afrikanischen Kolleginnen und Kollegen zu teilen“, betonte Schneider, „sondern auch, weil wir gleichermaßen von den jungen und aufstrebenden afrikanischen Wissenschaftsorganisationen lernen können und lernen wollen.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten dann in einem dreitägigen Workshop, der die Konferenz unmittelbar ergänzte, konkret über einzelne Themenfelder der Forschungsförderung. Referentinnen und Referenten der DFG und anderer Förderorganisationen sprachen darin zum Beispiel über Finanzmanagement, Antragsbearbeitung, die Auswahl von Gutachtern, Begutachtungsverfahren, Förderprioritäten, Informationsmanagement oder statistische Auswertung – eben das Handwerkszeug für eine gut funktionierende Forschungsförderung. Je besser afrikanische Wissenschaftsinstitutionen in dieser Hinsicht aufgestellt sind, desto einfacher und ergiebiger wird in der Folge auch die Kooperation mit Forscherinnen und Forschern aus der ganzen Welt sein.

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