Forschungsbedarf zur Umsetzung der „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen

DFG-geförderter Foresight-Workshop in der Villa Vigoni vom 18. bis 21. April 2016

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten darüber, wie die Wissenschaft zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele beitragen kann
Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten darüber, wie die Wissenschaft zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele beitragen kann
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Im Nachgang der gemeinsam von der DFG und der United Nations University (UNU) 2015 am Sitz der Vereinten Nationen in New York veranstalteten Konferenz „Wie kann Wissenschaft zur globalen Nachhaltigkeit beitragen?“ gab es vom 18. bis 21. April 2016 einen internationalen Workshop in der Villa Vigoni in Italien. Ziel war es, den Forschungsbedarf zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele – Sustainable Development Goals – zu diskutieren und mögliche Foresight-Mechanismen zu entwickeln. Die Sustainable Development Goals waren von den Vereinten Nationen im September 2015 offiziell in Nachfolge der Millennium Goals beschlossen worden. Sie umfassen insgesamt 17 sozial, wirtschaftlich und ökologisch relevante Ziele, die in der Agenda 2030 festgelegt sind. Veranstalter des von der DFG geförderten Workshops war das Deutsche Komitee für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth in Kooperation mit der Future-Earth-Plattform und dem Sustainable Development Solutions Network.

Zum internationalen Workshop kamen rund 40 führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Natur- und Sozialwissenschaften, relevante Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie Stakeholder aus der ganzen Welt zusammen, um gemeinsam Probleme und Herausforderungen bei der Umsetzung der Sustainable Development Goals zu identifizieren und zu antizipieren. Unter den Diskutierenden waren auch zwei Mitglieder des Scientific Advisory Board (SAB), dem 2013 von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon berufenen wissenschaftlichen Beratungsgremium der Vereinten Nationen. Beide Expertinnen, Tanya Abrahamse (Südafrika) und Maria Ivanova (USA), werden auch im Juni des Jahres in Bonn im Rahmen der Vortragsreihe „Global Solutions for Sustainable Development“ sprechen. Diese Vortragsreihe wird von der Bonner Universität, der Stadt Bonn und der Deutschen UNESCO-Kommission sowie von der DFG unterstützt.

Eine Frage, die sich durch alle Diskussionen zog: Wie lassen sich Foresight-Mechanismen entwickeln, mit denen Probleme bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele im Vorhinein identifiziert werden können?
Eine Frage, die sich durch alle Diskussionen zog: Wie lassen sich Foresight-Mechanismen entwickeln, mit denen Probleme bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele im Vorhinein identifiziert werden können?
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Die Sustainable Development Goals bilden ein Rahmenwerk mit breit gefächerten Zielen, deren Umsetzung eine immense Herausforderung für Politik und Gesellschaft darstellt. Die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen den 17 übergreifenden Nachhaltigkeitszielen und den damit korrespondierenden Teilzielen sind vielfältig und komplex angelegt. In vielen Fällen wird man Prioritäten setzen und bei konkurrierenden Zielen harte Entscheidungen (tough choices) treffen müssen. Mit Blick auf diese Ausgangslage zielte der Foresight-Workshop auf ein besseres Verständnis der wichtigsten in den Sustainable Development Goals enthaltenen Wechselwirkungen, Synergien und Zielkonflikten. Damit verbunden, wollte er einen wissenschaftlichen Beitrag zu politischen Entscheidungsprozessen zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele auf globaler, nationaler und regionaler Ebene leisten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konzentrierten sich dabei auf die Frage: Können wir einen Foresight-Prozess anstoßen, der kritische Themen und Entwicklungen so früh erkennt, dass erforderliche Grundlagenforschung noch rechtzeitig zur Konfliktlösung beitragen kann?

Um wirksame Foresight-Mechanismen diskutieren zu können, fokussierte der Workshop drei ausgewählte Themenkomplexe. Für folgende konfliktreiche Themenfelder wurden Forschungsbedarf und Lösungsansätze diskutiert.

In Arbeitsgruppen widmeten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer drei zentralen Themenkomplexen
In Arbeitsgruppen widmeten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer drei zentralen Themenkomplexen
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Die sozioökonomischen und biophysikalischen Dynamiken des Mensch-Natur-Nexus

Dieser Bereich bezieht sich auf ökonomische Paradigmen, Denksysteme und Wirtschaftsmodelle, die einen Übergang zu einem nachhaltigen und zukunftsfähigen Wirtschaften ermöglichen sollen. Die einzelnen Fragen wurden zu drei Themenclustern verdichtet:

  • Co-designing nachhaltiger Pfade, die biophysikalische und soziale Dynamiken zusammendenken
  • Wege zur Integration der Wirtschaft in den Transformationsprozess und Entwicklung von Geschäftsmodellen für nachhaltiges Wirtschaften
  • Erweiterung von Integrated Assessment Models um Dimensionen jenseits von Optimierung

Nahrungsmittelsicherheit und nachhaltige Produktion und Konsum – Ozean und Land

Da dieser Bereich mit fünf Sustainable Development Goals zugleich korrespondiert, ist die Formulierung kohärenter Politiken eine Herausforderung. Folgende dringliche Forschungslücken wurden adressiert:

  • Integration von Umwelt- und Ökosystemdienstleistungen in die Entscheidungsprozesse in Bezug auf die Landwirtschaft
  • Notwendigkeit, Nahrungsmittelsicherheit in einem globalen Rahmen zu regeln
  • Schaffung effektiver Institutionen, die die Nutzung der „global commons“ fair gestalten
  • Technologische Ansätze zur nachhaltigen Intensivierung der Landwirtschaft

Migration und ihre Rolle/Auswirkungen auf die Umsetzung der Sustainable Development Goals

Migration ist mit mehreren Sustainable Development Goals eng verknüpft. Daher könnte Migration als Indikator für die erfolgreiche Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele angesehen werden. Drei drängende Forschungsfelder wurden identifiziert:

  • Wie können die Wechselwirkungen zwischen Migration und Sustainable Development Goals konzeptualisiert und analysiert werden?
  • Wie können Verhaltensmuster im Zusammenhang von Migration und Umweltwandel untersucht werden?
  • Migration als Kernproblem, das sich mit den Zielen zu Ungleichheit, Gesundheit und Urbanisierung überschneidet, und damit ein wesentlicher Indikator ist, der Erfolg und Misserfolg der Umsetzung der Sustainable Development Goals anzeigt.

Einen Bericht über die Ergebnisse des Workshops wird das Sekretariat des Deutschen Komitees für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth im Juli 2016 veröffentlichen. Die Ergebnisse werden in laufende Diskussionen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie beteiligten Expertinnen und Experten einfließen. Darüber hinaus werden infolge des Workshops mehrere wissenschaftliche Publikationen entstehen.

Programme Committee Members:

  • Sabine Fuss, Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), Germany
  • David Griggs, Monash University & ClimateWorks, Australia
  • Pavel Kabat, International Institute for Applied System Analysis (IIASA), Austria
  • Wolfgang Lucht, PIK Potsdam, Germany & German Committee Future Earth, Germany
  • Jens Newig, Leuphana University Lüneburg, Germany
  • Jakob Rhyner, United Nations Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS), Germany
  • Guido Schmidt-Traub, Sustainable Development Solution Network (SDSN), France
  • Imme Scholz, German Development Institute (DIE), Germany
  • Paul Shrivastava, Future Earth, Canada
  • Mark Stafford Smith, CSIRO, Australia
  • Farooq Ullah, Stakeholder Forum, UK
  • Martin Visbeck, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel & German Committee Future Earth, Germany

Zusatzinformationen

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