50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel

"Wir vergessen nicht, wir forschen" – Über die deutsch-israelischen Wissenschaftsbeziehungen

DFG richtet Festakt in Berlin aus / Rund 150 internationale Gäste aus Wissenschaft und Politik

Festakt im Berliner Leibniz-Saal
Festakt im Berliner Leibniz-Saal
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Impressionen des Festakts

Zufriedene Gesichter bei DFG-Präsident Strohschneider, Bundesministerin Wanka und dem israelischen Botschafter Hadas-Handelsman (v.l.)
Zufriedene Gesichter bei DFG-Präsident Strohschneider, Bundesministerin Wanka und dem israelischen Botschafter Hadas-Handelsman (v.l.)
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Der Festakt gab Gelegenheit zum Austausch
Der Festakt gab Gelegenheit zum Austausch
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Musik von Mendelssohn Bartholdy und Schubert trugen Elia Cohen-Weissert, Cello, und Maria Yulin, Piano, bei
Musik von Mendelssohn Bartholdy und Schubert trugen Elia Cohen-Weissert, Cello, und Maria Yulin, Piano, bei
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Vorempfang
Gute Stimmung von Anfang an: Dr. Jörg Schneider, Professor Dr. Peter Strohschneider, Professor Nurit Yirmiya, H.E. Yakov Hadas-Handelsman (v.l.) beim Vorempfang
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Freundschaftliche Treffen am Rande des Festakts
Freundschaftliche Treffen am Rande des Festakts: Professor Nurit Yirmiya mit Professor Helmut Schwarz
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Mit einem Festakt anlässlich des 50. Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft am 10. September 2015 die wissenschaftliche Kooperation zwischen beiden Ländern gewürdigt. DFG-Präsident Professor Dr. Peter Strohschneider begrüßte rund 150 geladene Gäste aus Wissenschaft und Politik, allen voran die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professor Dr. Johanna Wanka, Israels „Chief Scientist at the Ministry of Science, Technology and Space“, Professor Nurit Yirmiya, und den Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman. Es sprachen auch weitere Vertreter der deutschen Wissenschaftsorganisationen: Professor Dr. Martin Stratmann, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, und Professor Dr. Otmar D. Wiestler, der neue Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

Grußworte

Peter Strohschneider
Peter Strohschneider begrüßt die Gäste
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Alle Redner hoben in ihren Grußworten die zentrale Bedeutung der Wissenschaft für die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel hervor – so bezeichnete Bundesministerin Johanna Wanka die Rolle der Wissenschaft als „bahnbrechend“ und „brückenbauend“. Viele Redebeiträge nannten immer wieder auch die wichtigsten historischen Eckdaten und setzten sie in die verschiedenen institutionellen Bezüge: Die Unterzeichnung des Wiedergutmachungs­abkommens 1952 in Luxemburg; die ersten Begegnungen zwischen deutschen und israelischen Physikern am CERN; der Besuch von Otto Hahn, Wolfgang Genter und einer Max-Planck-Delegation im Weizmann-Institut 1959; das Treffen zwischen Konrad Adenauer und David Ben-Gurion 1960 in New York und schließlich die Aufnahme diplomatischer-Beziehungen zwischen dem Staat Israel und der Bundesrepublik vor 50 Jahren.

Johanna Wanka
Bundesministerin Professor Dr. Johanna Wanka
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Wanka skizzierte in ihrem Grußwort wie aus der vorsichtigen Begegnung einzelner Wissenschaftler in den 1950er-Jahren heute ein vielfältiges Beziehungsgeflecht zwischen Personen und Institutionen geworden sei. Sie nahm aber auch Bezug auf den Umgang der DDR mit Menschen jüdischen Glaubens einerseits und dem Staat Israel andererseits: Zwar habe die DDR die Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet, dennoch habe die Regierung den Staat Israel als Feind und Aggressor betrachtet. Sie selbst etwa habe als Mathematikerin keine Sonderdrucke israelischer Wissenschaftler bestellen dürfen.

DFG-Präsident Peter Strohschneider thematisierte neben den Verdiensten der Wissenschaft für die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in seiner Rede aber auch ihre Beteiligung an den Verbrechen nationalsozialistischer Gewaltherrschaft: „Die Notgemeinschaft als Vorgängerorganisation der DFG hat bereits 1933 die erste jüdische Mitarbeiterin entlassen, jüdische Wissenschaftler wurden ausgegrenzt und radikal inhumane Forschungsprojekte gefördert“. Auch deshalb sei der Beginn der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen deutschen und israelischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern „durchaus unselbstverständlich“. „Dass gemeinsames Erinnern möglich geworden ist, versteht sich nicht von selbst“, sagte Strohschneider, „es ist – auch 70 Jahre nach der Shoah und der Befreiung Deutschlands vom Nazismus – als eine höchst unwahrscheinliche historische Errungenschaft zu würdigen.“

Nurit Yirmiya
Professor Nurit Yirmiya
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„Wir vergessen nicht, wir gehen tanzen“ – diesen Buchtitel stellte Strohschneider dem Abend als Motto voran. In dem Buch berichten 19 junge israelische und deutsche Schriftsteller über ihre Begegnungen und Erfahrungen mit dem jeweils anderen Land. Heute könnten sich Deutsche und Israelis mit Neugier, mit Anteilnahme, mit wechselseitiger Faszination begegnen, so Strohschneider. Und dies gelte natürlich umso mehr für die wissenschaftlichen Beziehungen beider Länder.

Professor Nurit Yirmiya dankte als "Israel's Chief Scientist" im israelischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Raumfahrt in ihrer Rede der DFG für die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit und Unterstützung. Sie illustrierte die Verbindungen zwischen Deutschland und Israel anhand ihrer Kinder. Für diese ist mittlerweile "Berlin a cool place to be". Gerade unter jungen Menschen sei der Austausch und das gegenseitige Kennen- und Vertrauen-Lernen wichtig.

Yakov Hadas-Handelsman
Botschafter Yakov Hadas-Handelsman
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Der Botschafter Israels in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, forderte, den Blick auch auf die Herausforderungen der Zukunft zu richten, und ergänzte, "Wir müssen die Bedingungen für Innovationen weiter verbessern". Die Paarung aus deutscher Pünktlichkeit und Präszision mit dem israelischen kreativen Chaos sei besonders in der Wissenschaft eine gedeihliche und außergewöhnliche Kombination: "Für die Deutschen ist es schwierig 'outside the box' zu denken, für Israelis ist es hingegen schwierig, 'inside the box' zu denken."

Martin Stratmann
Professor Dr. Martin Stratmann
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Heute, 50 Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen, ist vieles möglich geworden, was lange undenkbar war, wie Max-Planck-Präsident Martin Stratmann hervorhob. „Themen wie Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, die israelische Siedlungspolitik oder die Gefahren durch fundamentalistische Gesinnung werden gemeinsam von israelischen, palästinensischen und deutschen Wissenschaftlern diskutiert und interdisziplinär erforscht.“

Otmar Wiestler
Professor Dr. Otmar D. Wiestler
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Helmholtz-Präsident Professor Dr. Otmar D. Wiestler blickte bereits in die Zukunft, in der zum Beispiel in der Informationstechnologie oder der Umwelt- oder Energieforschung, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern beider Länder kontinuierlich ausgebaut werden könne - die personalisierte Medizin, das "Dead Sea Project" oder die Meeresforschung seien hier interessante Themen, zu denen schon Kooperationen existieren: "Viele bewundern Israel für seine Leistungen unter schwierigen geographischen Bedingungen. Es ist eines der innovativsten und leistungsfähigsten Länder der Erde - nicht umsonst unterhalten die deutschen Wissenschaftsorganisationen intensive Kontakte zu Israel."

Keynote Lectures

Hanoch Gutfreund
Professor Hanoch Gutfreund
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In seiner Keynote Speech erinnerte Professor Hanoch Gutfreund, Physiker an der Hebrew University in Jerusalem und in verschiedenen wissenschaftspolitischen und wissenschaftlichen Ämtern aktiv, daran, dass die ersten israelischen Pässe für alle Staaten der Welt gültig waren - nur nicht für Deutschland. Die beiden Länder seien vice versa "Schwarze Löcher" auf der Landkarte gewesen. Heute hingegen gebe es eine starke Verbindung. Und er halte es mit der Thora, die sowohl Einzelne als auch Gesellschaften dazu auffordere, "die Kinder nicht für ihre Eltern zur Verantwortung zu ziehen". Er hob besonders das Engagement des DFG-Präsidenten Julius Speer hervor – der in den 1970er Jahren, als es noch keineswegs selbstverständlich gewesen sei – gemeinsame bilaterale Projekte zwischen Deutschland und Israel aufsetzte. Auch DFG-Präsident Wolfgang Frühwald habe in den 1990er Jahren mit den trilateralen Projekten, die neben deutschen und israelischen auch palästinensische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler förderten, Weichen gestellt. "Es gibt ein Dokument, das ich unterzeichnet zu haben, wirklich stolz bin: Die Ehrendoktorurkunde für Wolfgang Frühwald." Ein weiterer hoch geschätzter Kooperationspartner sei Professor Dr. Helmut Schwarz. Einzelpersonen und Wissenschaftler wie diese beiden seien es, die den Boden bereitet hätten, auch problematische Themen anzugehen.

Helmut Schwarz
Professor Dr. Helmut Schwarz
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Der angesprochene Helmut Schwarz, Chemiker und Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, adressierte in seiner Key Note Lecture die überaus überraschende und geradezu wundersame Entwicklung der gegenseitigen Beziehungen. Er ging auf "bonds" ein - nicht als chemische Verbindungen verstanden, sondern vielmehr im sozialen Sinne, wo aus wissenschaftlicher Zusammenarbeit echte Freundschaft entstanden sei. Das habe mit "Empathie, Zuneigung und Liebe" zu tun. Er berichtete von seiner persönlichen Liebesgeschichte zu Israel, die mit einem Besuch am Weizmann-Institut 1977 begann. Mittlerweile habe er das Land mehr als 120 Mal besucht und fühle sich jedes Mal, als würde er heimkommen. Er verwies auch auf die erste Alexander von Humboldt-Stipendiatin aus Israel, die 1958 nach Frankfurt am Main gekommen sei: "Sie hatte sicherlich gemischte Gefühle bei ihrer Ankunft". Heute gebe es insgesamt 173 Humboldt-Fellows aus Israel.

Panels

Das erste Panel
Das erste Panel mit Professor Yfaat Weiss, Professor Dr. Karen Schönwälder, Professor Dr. Dan Diner und Professor Dr. Norbert Frei (v.l.)
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Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft waren auch die wesentlichen Bezugspunkte für die beiden Panels, die den Hauptteil des Abends bestritten. Das erste Panel versuchte dabei vor allem die Frage zu beantworten, wie denn bereits in den 1950er-Jahren Kooperationen zwischen deutschen und israelischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufgenommen werden konnten – insbesondere, da es vor und nach 1945 im deutschen Wissenschaftsbetrieb eine große Kontinuität gegeben habe. Wie die Panel-Teilnehmer Professor Dr. Dan Diner, Professor Dr. Karen Schönwälder, Professor Yfaat Weiss und Professor Dr. Norbert Frei herausstellten, habe sich dabei die gemeinsame, auf eine tiefere Vergangenheit verweisende Wissenschaftstradition von großer Bedeutung gezeigt. Auch die deutsche Sprache als gemeinsame Wissenschaftssprache sei zentral gewesen.

Das zweite Panel
Das zweite Panel mit Professor Dr. Klaus Hoffmann-Holland, Professor Yona Chen, Professor Ady Arie, Professor Dr. Jan von Delft, Professor Anath Fischer und Professor Dr. Jutta Gärtner (v.l.)
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Im zweiten Panel berichteten die Professorinnen und Professoren Jutta Gärtner, Anath Fischer, Yona Chen, Ady Arie, Jan von Delft und Klaus Hoffmann-Holland aus unterschiedlichen Fachperspektiven von ihren persönlichen Kooperationserfahrungen. Angesprochen wurden dabei nicht nur bilaterale Sachbeihilfen und Projekte des deutsch-israelischen Exzellenzprogramms DIP, sondern auch trilaterale Projekte zusammen mit palästinensischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und nicht zuletzt das erste deutsch-israelische Graduiertenkolleg der DFG. Hoffmann-Holland betonte, dass für die erfolgreiche Zusammenarbeit vor allem drei Faktoren wichtig seien: Menschen, Strukturen respektive Institutionen sowie gemeinsame Veranstaltungen, bei denen sich die Kooperanden kennenlernen und austauschen - wie bei dem Festakt in Berlin.

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© 2010-2019 DFG Letzte Aktualisierung: 25.04.2016 Sitemap   |  Impressum  |  Datenschutzhinweise  |  Kontakt  |  Service

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