Rückkehr nach Deutschland attraktiver denn je

15. Jahrestagung des German Academic International Network (GAIN) in San Francisco

Das Interesse war größer denn je, als vom 28. bis 30. August 2015 die inzwischen 15. Jahrestagung des German Academic International Network (GAIN) stattfand. Mehr als 300 in Nordamerika und Kanada tätige deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren auf Einladung der Gemeinschaftsinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft zusammen mit der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) nach San Francisco gekommen. Hier bot sich ihnen drei Tage lang die Möglichkeit zum Austausch untereinander und mit hochrangigen Repräsentanten von mehr als 60 deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertretern von Wissenschafts- und Forschungsförderorganisationen sowie mit einer ebenfalls angereisten Delegation von Mitgliedern des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag.

In den vergangenen 15 Jahren ist das Interesse an dem Informationsangebot und den Netzwerkmöglichkeiten der GAIN-Tagung stetig angewachsen. Ein wichtiger Grund dafür liegt, wie DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek in ihrer Begrüßung bemerkte, in der „amerikanischen Atmosphäre“ der Veranstaltung: Ungeachtet von Hierarchien können sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Hinblick auf ihre Karrierechancen in Deutschland beraten lassen, dabei Fragen zur aktuellen Entwicklung des deutschen Wissenschaftssystems stellen und auf Probleme hinweisen, die sich bei einer Rückkehr an den Forschungsstandort Deutschland ergeben.

Rahmenbedingungen für Forschung in Deutschland stark verbessert

DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek begrüßt mehr als 300 in Nordamerika und Kanada tätige deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek begrüßt mehr als 300 in Nordamerika und Kanada tätige deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
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Dzwonnek zog in ihrem Grußwort eine wissenschaftspolitische Bilanz der vergangenen Jahre: So seien die zusätzlich im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation und der Exzellenzinitiative bereitgestellten Mittel als Erfolg zu werten. Durch sie werde das deutsche Wissenschaftssystem erheblich gestärkt und somit attraktiver für ausländische Forscherinnen und Forscher – und ebenso für solche, die in ihr Heimatland Deutschland zurückkehren wollen. Zu den jüngsten positiven Entwicklungen in Deutschland gehörten zudem die Anhebung der Stipendiensätze und der Programmpauschale, die von der Politik signalisierte grundsätzliche Bereitschaft zur Fortführung der Exzellenzinitiative und die durch eine Änderung des Grundgesetzes nun mögliche Beteiligung des Bundes an der Grundfinanzierung von Hochschulen in Fällen überregionaler Bedeutung. Die Rahmenbedingungen für Forschung in Deutschland, so Dzwonnek, seien also inzwischen stark verbessert – so stark, dass die deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die derzeit in Nordamerika arbeiteten, ihre dort gewonnenen internationalen Erfahrungen nun verstärkt am exzellenten Forschungsstandort Deutschland einbringen könnten und sollten.

Jörg Hacker, der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, stellte in seiner Keynote Speech die Verlässlichkeit von Karriereperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland heraus: „Verlässliche und transparente Karrierewege sind entscheidend für die Qualität des deutschen Wissenschaftssystems. Von besonderer Bedeutung ist es, neue Modelle, auch ein Tenure-Track-System, unter den besonderen Bedingungen deutscher Universitäten und Institutionen zu etablieren. Wichtig sind dabei insgesamt die Rahmenbedingungen, sowohl die gesetzlichen Grundlagen, als auch die vertraglichen Gegebenheiten“, sagte Hacker.

Dennoch weiter Ungeduld mit dem Reformtempo

Beratungen am DFG-Stand
Beratungen am DFG-Stand
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Wie jedoch kann nun innerhalb der sich verbessernden Rahmenbedingungen in Deutschland die eigene Karriere befördert werden? Und welche Elemente muss dazu der jeweils eigene „Werkzeugkasten“ enthalten? Diese Fragen bestimmten sowohl die vielen Gespräche und Beratungen auf der begleitenden Talent Fair, als auch zahlreiche Workshops: Dort berichteten beispielsweise einzelne Hochschulrektoren, wie eine erfolgreiche Berufungsverhandlung zur Professur von der „anderen Seite des Tisches“ aus wahrgenommen wird. Gleichzeitig blieb in den Workshops mit Hochschulleitungen, politisch Verantwortlichen und Führungskräften aus Forschungs- und Forschungsförderorganisationen auch die Ungeduld des wissenschaftlichen Nachwuchses mit dem Reformtempo in Deutschland bemerkbar. Und dennoch war der Grundtenor bei vielen anwesenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: Eine Rückkehr an den Forschungsstandort Deutschland ist attraktiv wie lange nicht.

Ein von der DFG-Generalsekretärin moderiertes Abschluss-Panel griff die zuvor formulierten Wünsche junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre berufliche Zukunft in Deutschland auf: Unter dem Titel „Bilanz der Tagung – Rückschlüsse für die Politik“ nahmen die vier anwesenden Bundestagsabgeordneten zu diesen Forderungen Stellung. Sie betonten, Politik sei auch die Kunst des ständigen Wiederholens. Verbesserungen, wie etwa die anstehende Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes, hätten zwar ein Datum, doch die zugrundeliegenden Prozesse dauerten oft Jahre. Die GAIN-Tagung selbst bewerteten auch die Politikerinnen und Politiker positiv: Sie könne auf eine kontinuierlich gestiegene und inzwischen sehr beachtliche Resonanz im deutschen Wissenschaftssystem verweisen.

Rundgespräch zwischen Wissenschaft und Politik

Teilnehmer des Rundgesprächs
Teilnehmer des Rundgesprächs (v.l.n.r.): Claudia Lücking-Michels (CDU), Susanna Elms (University of California, Berkeley), Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen), Bernd Girod (Stanford University), Daniela De Ridder (SPD), Hubert Staudigel (University of California, San Diego), Dorothee Dzwonnek, Tino Sorge (CDU), Ulrike Eickhoff (DFG)
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Am Rande der Tagung hatte Dzwonnek die Mitglieder des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung zu einem Rundgespräch mit hochrangigen deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Bay-Area in die California Academy of Sciences eingeladen. Susanna Elms (University of California, Berkeley), Bernd Girod (Stanford University) und Hubert Staudigel (University of California, San Diego) berichteten dabei den Abgeordneten Claudia Lücking-Michels (CDU), Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen), Daniela De Ridder (SPD) und Tino Sorge (CDU), dass das Interesse in der US-Wissenschaft an der Arbeit deutscher Universitäten infolge der Exzellenzinitiative spürbar angestiegen sei.

Das Rundgespräch wurde durch einen Vortrag des Direktors der California Academy of Sciences, Jonathan Foley, abgerundet, der auf einer Tour durch den von Renzo Piano entworfenen und 2008 fertiggestellten Neubau die Aufgaben einer Akademie schilderte, die sich als eines der weltgrößten Naturkunde-Museen stark in der Vermittlung von Wissenschaft in die Öffentlichkeit engagiert.

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