Jubiläum in Beijing

Chinesisch-Deutsches Zentrum für Wissenschaftsförderung in Peking feiert zehnjähriges Bestehen

Chinesisch-Deutsches Zentrum (CDZ)
Chinesisch-Deutsches Zentrum (CDZ)
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Von Eva-Maria Streier

Es war ein kalter, aber klarer Oktobertag in Peking, als eine schwarze Limousine nach der anderen vor dem Chinesisch-Deutschen Zentrum für Wissenschaftsförderung (CDZ) im Nordwesten der chinesischen Hauptstadt vorfuhr. Aus nah und fern waren die Gäste angereist, die das zehnjährige Bestehen des Zentrums feierten, einer Einrichtung, die in ihrer Konstellation als chinesisch-deutsches Joint Venture in der Wissenschaft einzigartig ist.

Gemeinsam mit ihrer chinesischen Partnerorganisation, der National Natural Science Foundation of China (NSFC), hatte die DFG auf den Tag genau vor zehn Jahren am 19. Oktober 2000 den Neubau eröffnet. Es war die erste Auslandsvertretung der DFG – Washington/New York, Moskau, New Delhi und Tokio folgten. DFG und NSFC finanzieren das Zentrum jeweils hälftig, es hat einen deutschen und einen chinesischen Direktor sowie zwei Vizedirektoren und fördert die bilaterale Zusammenarbeit in den Natur-, Lebens- und Ingenieurwissenschaften. Besondere Bedeutung kommt der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu.

Der chinesische (Professor Han Jianguo, l.) und der deutsche Direktor des CDZ (Dr. Armin Krawisch, r.) geleiten den CAS-Präsidenten (Professor Lu Yongxiang, oben) und den deutschen Botschafter (Dr. Michael Schaefer, unten, mit dem DFG-Vizedirektor, Professor Zhao Miaogen) ins Gebäude des Zentrums.
Der chinesische (Professor Han Jianguo, l.) und der deutsche Direktor des CDZ (Dr. Armin Krawisch, r.) geleiten den CAS-Präsidenten (Professor Lu Yongxiang, oben) und den deutschen Botschafter (Dr. Michael Schaefer, unten, mit dem DFG-Vizedirektor, Professor Zhao Miaogen) ins Gebäude des Zentrums.
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Protokollgemäß geleiteten dann auch der chinesische Direktor des Zentrums, Professor Han Jianguo, und sein deutscher Kollege, Dr. Armin Krawisch, den Präsidenten der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS), Professor Lu Yongxiang, als einen der prominenten Festredner ins Gebäude des Zentrums. Bei der Begrüßung des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in China, Dr. Michael Schaefer, kam noch der Vizedirektor der DFG, Professor Zhao Miaogen, hinzu.

Rund 200 geladene Gäste konnte DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner denn auch zur „Rosenhochzeit“, dem Fest nach zehn Jahren Ehe, im Auditorium des Zentrums willkommen heißen. Als Grundlage für den gemeinsamen Erfolg nannte Kleiner in seiner Begrüßungsrede drei Faktoren: Gleichberechtigung, Respekt und eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Da die Wissenschaft jenseits von geografischen oder ideologischen Ansätzen ein grenzüberschreitendes Denken und Handeln erfordere, trügen die großen Forschungsförderorganisationen dabei eine herausgehobene Verantwortung.

Professor Chen Yiyu, Präsident der NSFC, zusammen mit DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner
Professor Chen Yiyu, Präsident der NSFC, zusammen mit DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner
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Das Zentrum unterstützt jedes Jahr im Durchschnitt mehr als 1400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus China und Deutschland und finanziert etwa 30 Symposien und Sommerschulen. Neben zahlreichen Nachwuchsförderprogrammen, Kooperationsgruppen und Forschungsprojekten hat das CDZ bereits auch circa 250 Symposien gefördert. Dazu kommen sechs Internationale Graduiertenkollegs und zwei Sonderforschungsbereiche/Transregios, in denen deutsche und chinesische Forscher kooperieren. Rund 30 Millionen Euro haben DFG und NSFC seit 2000 in das CDZ investiert.

Dr. Armin Krawisch, scheidender deutscher Direktor des Zentrums
Dr. Armin Krawisch, scheidender deutscher Direktor des Zentrums
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So konnte der Präsident der NSFC, Professor Chen Yiyu, in seiner Begrüßung mit Fug und Recht davon sprechen, dass die chinesisch-deutsche Kooperation der wichtigste Bestandteil der internationalen Strategie seiner Organisation geworden sei. Dr. Armin Krawisch, der scheidende deutsche Direktor des Zentrums, griff in seinem Grußwort einige Höhepunkte der vergangenen zehn Jahre auf. So erinnerte er an die SARS-Epidemie im Jahr 2003. Das Zentrum hatte sehr kurzfristig ein deutsch-chinesisches Symposium zu der Thematik organisiert, dessen Ergebnisse breite Resonanz in Wissenschaft und Öffentlichkeit erfahren hat. Eine besondere Anerkennung, so Krawisch, wurde dem Zentrum durch den Besuch des früheren deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau zuteil. Anlässlich seines Besuchs lud das CDZ zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Brain Gain – Brain Drain“ ein; ein Thema, das an Aktualität bis heute nichts verloren hat.

Ehemalige und amtierende deutsche Direktoren des CDZ - v.l.n.r.: Jens Egon Mosch, Robert Paul Königs, Zhao Miaogen, Heike Strelen, Armin Krawisch, Reinhard Rutz
Ehemalige und amtierende deutsche Direktoren des CDZ - v.l.n.r.: Jens Egon Mosch, Robert Paul Königs, Zhao Miaogen, Heike Strelen, Armin Krawisch, Reinhard Rutz
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Zum Jubiläum waren auch alle früheren deutschen Direktoren des Zentrums mit ihren Frauen nach Peking gereist: Dr. Jens-Egon Mosch, der die Gründungsphase miterlebte, sein Nachfolger, Dr. Robert Paul Königs, jetzt Bereichsleiter Fachliche Angelegenheiten der Forschungsförderung in der DFG, dem Reinhard Rutz aus der Bibliotheksgruppe folgte. Wenn Dr. Armin Krawisch zum Ende des Jahres nach Bonn zurückkehrt, übernimmt Dr. Heike Strelen, zuvor Gruppenleiterin aus dem Bereich Lebenswissenschaften, die Position in Peking.

Dr. Michael Schaefer, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in China
Dr. Michael Schaefer, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in China
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Einen politischen Akzent setzte der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in China, Dr. Michael Schaefer, beim Festakt. Er betonte die Bedeutung der „Forschungszusammenarbeit mit den weltweit Besten“ für die Bundesregierung. Wenn deutsche Erfahrung und chinesische Dynamik zusammenkämen, sei dies ein Garant für Erfolg auf dem für die Zukunft beider Länder so wichtigen Gebiet von Wissenschaft und Innovation.

Begonnen hatte der Jubiläumstag mit einem Strategie-Workshop, bei dem die Perspektiven für die nächste Dekade der chinesisch-deutschen Wissenschaftszusammenarbeit aufgezeigt wurden. DFG-Präsident Kleiner hob die Zusammenarbeit in der Energieforschung, insbesondere der Solarenergie, in der Forschung zur Lebensmittelsicherheit sowie in Mikroelektronik und Materialwissenschaften als Beispiele für zukünftige Kooperationsfelder hervor. Außerdem, so Kleiner weiter, ist auch an die Verknüpfung der traditionellen chinesischen Medizin mit Methoden und Ansätzen der westlichen Schulmedizin und an eine gemeinsame Forschung zu Infektionskrankheiten zu denken.

Beeindruckende Zahlen legte der Vizepräsident der NSFC, Professor Shen Wenqing, in seinem Beitrag vor. Das Budget der NSFC ist in den vergangenen 20 Jahren exponentiell angestiegen und liegt nun bei rund 40 Prozent des jährlichen Budgets der DFG von rund 2,3 Milliarden Euro. Die Investitionen der NSFC in die Förderung der internationalen Kooperationen sind von 3 Millionen Yuan im Jahr 1987 auf 300 Millionen im Jahr 2010 gestiegen! Als Zukunftsaufgaben nannte Shen Wenqing unter anderem den Ausbau der internationalen Zusammenarbeit sowie die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und der weiblichen Wissenschaftler insgesamt.

Professor Ernst-Ludwig Winnacker (l.) im Gespräch mit dem ehemaligen Präsidenten der NSFC, Professor Zhang Cunhao
Professor Ernst-Ludwig Winnacker (l.) im Gespräch mit dem ehemaligen Präsidenten der NSFC, Professor Zhang Cunhao
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In seinem „Keynote- Statement“ knüpfte der deutsche „Gründungspräsident“ des Zentrums, der frühere DFG-Präsident und jetzige Generalsekretär des Human Frontier Science Program, Professor Ernst-Ludwig Winnacker, an die Ausführungen seines Vorredners an. Er führte eindringlich vor Augen, dass junge Wissenschaftler nicht Länder, sondern die besten Institutionen wählten, an denen sie arbeiten wollen. Die drei Säulen der wissenschaftlichen Exzellenz seien die drei C’s: Communication, Cooperation und Competition. Sein Rat für die kommende Dekade des CDZ: „Investieren Sie in die jungen Wissenschaftler und deren frühe Selbstständigkeit – finanziell wie strukturell.“ Die Generalsekretärin der DFG, Dorothee Dzwonnek, schloss sich diesem Aufruf an und stellte heraus, dass bei dem neuen Rahmenabkommen zwischen DFG und NSFC für gemeinsame „Calls for Proposals“ die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine zentrale Voraussetzung sei.

Professor Volker Mosbrugger, Direktor des Senckenberg Museums, zur Deutsch-Chinesischen Zusammenarbeit in der Paläontologie
Professor Volker Mosbrugger, Direktor des Senckenberg Museums, zur Deutsch-Chinesischen Zusammenarbeit in der Paläontologie
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Eine eindrucksvolle Reihe von Kurzpräsentationen ließ im Anschluss die Breite der Wissenschaftsgebiete und die Lebendigkeit der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit deutlich werden. Professorin Liqui Meng, gebürtige Chinesin und Vizepräsidentin der TU München, berichtete von rund 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ihrer Hochschule, die regelmäßig zu Forschungsaufenthalten in China seien; Professor Harald Fuchs, Münster, und sein chinesischer Kollege Professor Zhan Xi stellten ihren gemeinsamen Sonderforschungsbereich auf dem Gebiet der Nanowissenschaften vor. Dr. Timo Balz (36), der 2009 das neu geschaffene Stipendium der NSFC für junge ausländische Wissenschaftler erhielt, präsentierte sich als frisch gebackener Associate Professor und erster fest angestellter Ausländer an der Universität Wuhan, Fachgebiet: Fernerkundung. Vorerst will er in China bleiben. Professor Reinhold Kliegl, Kognitionspsychologe aus Potsdam, Leibniz-Preisträger und Mitglied des DFG-Senats, kann mithilfe chinesischer Schriftzeichen nachweisen, dass sich bereits bei der augenblicklichen Wahrnehmung die Bedeutung erschließt. Professorin Bärbel Friedrich, Mikrobiologin von der Humboldt-Universität Berlin und Leopoldina-Vizepräsidentin, kann sich in der Zusammenarbeit mit der chinesischen Seite sogar internationale Stellungnahmen zur Politikberatung in wissenschaftlichen Fragen vorstellen. Professor Volker Moosbrugger und sein chinesischer Kollege Professor Sun Ge stellten in ihrem Festvortrag das bislang größte chinesisch-deutsche Kooperationsprojekt, das Tibet-Plateau-Programm, vor.

Beim anschließenden Empfang in den Räumen des Zentrums wurde es augenfällig: In den vergangenen zehn Jahren sind gute und vertrauensvolle Beziehungen zwischen deutschen und chinesischen Wissenschaftlern auf allen Ebenen gewachsen. Die persönlichen Kontakte erleichtern die Zusammenarbeit und sind stabil und zukunftsfähig. Dem Chinesisch-Deutschen Zentrum für Wissenschaftsförderung kommt dabei weit über die Rolle des Forschungsförderers eine besondere Bedeutung zu. Das ist für Deutschland angesichts der rasanten wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklung der Großmacht China ein nicht zu unterschätzender Faktor. So konnte DFG-Präsident Kleiner denn auch voller Zuversicht davon sprechen, dass das CDZ sicher auch die „Goldhochzeit“ nach 50 Jahren Ehe werde feiern können.

Eindrücke rund um die Festveranstaltung
Das Joint Committee des CDZ
Das Joint Committee des CDZ
© DFG

Eindrücke rund um die Festveranstaltung

Das Joint Committee des CDZ
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Gleich beginnt der Festakt
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Musikalischer Auftakt mit Händel, Bachm Li Zili und Liu Tianhua
Musikalischer Auftakt mit Händel, Bachm Li Zili und Liu Tianhua
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Der Präsident der Chinesischen Akademie der Wissenschaftgen, Professor Lu Yongxiang, im Gespräch mit dem deutschen Botschafter, Dr. Michael Schaefer (links) und DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner
Der Präsident der Chinesischen Akademie der Wissenschaftgen, Professor Lu Yongxiang, im Gespräch mit dem deutschen Botschafter, Dr. Michael Schaefer (links) und DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner
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Die Generalsekretärin der DFG, Dorothee Dzwonnek
Die Generalsekretärin der DFG, Dorothee Dzwonnek
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Volker Mosbrugger im Gespräch mit chinesischen Kollegen
Volker Mosbrugger im Gespräch mit chinesischen Kollegen
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Lilo Berg (Berliner Zeitung, l.) und Dr. Eva-Maria Streier (DFG-Pressesprecherin) verfolgen den Festvortrag
Lilo Berg (Berliner Zeitung, l.) und Dr. Eva-Maria Streier (DFG-Pressesprecherin) verfolgen den Festvortrag
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