Im Interview: Der Leiter des CDZ

Die Leitung des Beijinger Zentrums (v.l.n.r.) Miaogen Zhao (Vizedirektor auf deutscher Seite) und Armin Krawisch (deutscher Direktor), Han Jianguo (chinesischer Direktor) und sein Stellvertreter Chen Lesheng.
Die Leitung des Beijinger Zentrums (v.l.n.r.) Miaogen Zhao (Vizedirektor auf deutscher Seite) und Armin Krawisch (deutscher Direktor), Han Jianguo (chinesischer Direktor) und sein Stellvertreter Chen Lesheng.
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Das Chinesisch-Deutsche Zentrum für Wissenschaftsförderung (CDZ) in Beijing feiert im Oktober 2010 sein zehnjähriges Bestehen. Im Vorfeld sprach Rembert Unterstell mit Dr. Armin Krawisch, dem deutschen CDZ-Direktor, über die aufstrebende Forschungs-Großmacht China, das breitgefächerte Förderportfolio und die Bedeutung der bilateralen Nachwuchsförderung.

Herr Krawisch, China wird als Land im Aufbruch beschrieben. Wie zeigt sich der Aufwind in der Wissenschaft?

Im bevölkerungsreichsten Land der Erde hat man erkannt, dass wirtschaftlicher Erfolg und wachsende Prosperität nur über mehr Wissenschaft, Innovation und Entwicklung zu leisten sind. Bis 2020 sollen jährlich 2,5 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsproduktes in diesen Bereich fließen. Nehmen Sie etwa unsere Partnerorganisation, die National Natural Science Foundation of China (NSFC), die aktuell über einen Etat von 8,3 Mrd. RMB (umgerechnet 1 Mrd. €) verfügt und über die letzten Jahre regelmäßige Zuwächse von 20 Prozent verzeichnet. Das ist für sich genommen eine beeindruckende Steigerungsrate, aber die Herausforderungen im Lande sind eben auch enorm.

Welche besonders?

Die Versorgung der Bevölkerung, dann die Kluft zwischen Arm und Reich, der eklatante Stadt-Land-Gegensatz oder das infrastrukturelle Entwicklungsgefälle zwischen dem rückständigen Westen und dem zum Teil hochentwickelten Osten, um nur Stichworte zu nennen. China ist eine aufsteigende Großmacht und ein Entwicklungsland zugleich.

In welchen Fachgebieten ist das Land besonders sichtbar und kompetitiv?

Sicher im Bereich der Chemie, der Mathematik, Physik und den Materialwissenschaften, dann sind die Nanotechnologie, Felder der Lebenswissenschaften und der Luft- und Raumfahrttechnik zu nennen. Die chinesische Politik hat strategische Ziele identifiziert und setzt auf die Bewältigung drängender Fragen – Energie, Umwelt, Ernährung, medizinische Versorgung zählen dazu, nicht zuletzt die Suche nach innovativen Schlüsseltechnologien.

Das klingt nach Auftrags- und Anwendungsforschung?

Anwendungsnahe Forschung genießt hohe Priorität. Forschung und Entwicklung werden oft mit handfesten wirtschaftlichen Interessen zusammengedacht. Ein Beispiel dafür sind die intensiven Bestrebungen im Energiesektor. So hat die chinesische Regierung angekündigt, den Kauf von Elektrofahrzeugen mit rund 5 Mrd. RMB bezuschussen zu wollen – und eine weitere Milliarde in die Entwicklungsarbeit zu investieren.

Vor bald zehn Jahren hat das CDZ als erste DFG-Auslandsrepräsentanz und als Joint venture in der Forschungsförderung seine Arbeit aufgenommen ?

Das Alleinstellungsmerkmal ist bis heute, dass DFG und NSFC das CDZ gemeinsam tragen, sichtbar in der deutsch-chinesischen Doppelspitze und verbunden mit der Notwendigkeit, dass alle Entscheidungen abgestimmt getroffen werden. Diese Gemeinschaftlichkeit spiegelt sich auch in der Antragstellung wider, denn Anträge werden stets gemeinsam von einem deutschen und einem chinesischen Wissenschaftler gestellt. Im Rückblick hat dieses Joint venture neue Türen geöffnet – den frühen und uneingeschränkten Zugang zum chinesischen Wissenschaftssystem und seinen Institutionen. Es ist gut, dass wir so früh im Lande präsent waren. Dieser Vorteil ist kaum zu überschätzen ebenso wie die Möglichkeiten eines eigenen, von beiden Seiten bereitgestellten Förderbudgets. Der gemeinsame Weg war nicht immer ganz einfach, hat aber wesentlich dazu beigetragen, dass zwischen der DFG und NSFC heute eine enge partnerschaftliche, ja man kann sagen freundschaftliche Beziehung entstanden ist.

Stichwort Portfolio. Mit welchen Förderinstrumenten werden Kooperationswillige unterstützt?

Das CDZ und die DFG bieten breitgefächerte Möglichkeiten, von einer kurzfristigen bis zu einer langfristigen Förderung. Kurzfristig ausgerichtete Förderungen sind zum Beispiel Workshops/Symposien und Sommerschulen. Insbesondere die Workshops und Symposien eignen sich zur Anbahnung neuer Kontakte und Projekte, die Sommerschulen zielen auf die Nachwuchsförderung. In einer mittelfristigen Perspektive bietet das CDZ die bilaterale Projektförderung und die Unterstützung von Kooperationsgruppen an, die Mobilitätsgrundlagen schaffen, damit Gruppen grenzüberschreitend zusammenarbeiten können. Diese Förderungen des CDZ haben auch die Grundlage für die ersten gemeinsamen Ausschreibungen zwischen DFG und NSFC geschaffen, unsere Joint Calls, bislang im Bereich der Wasser- und der Stammzellforschung.

Was zeichnet die langfristige Förderung aus?

Sie ist stärker strukturbildend. Dafür stehen die deutsch-chinesischen Graduiertenkollegs – 2004 wurde das erste von inzwischen sechs eingerichtet – und die deutsch-chinesischen Transregios. Die Erfahrung zeigt: Hier entstehen fachliche und persönliche Netzwerke, die häufig über die Projektzeit hinauswirken.

Gilt das auch für den Nachwuchs?

Eindeutig, und mit steigender Tendenz. Sicherlich sind kulturelle Fremdheit und sprachliche Barrieren zu überwinden, aber Deutschland rangiert in der Favoritenliste chinesischer Studierender – nach den englischsprachigen Ländern und dem direkten Nachbarn Japan – auf einem beachtlichen 5. Platz. Und auch das CDZ hat den Nachwuchs im Blick.

Welche neuen Akzente setzt das Zentrum in der Nachwuchsförderung?

Chinesische Nachwuchswissenschaftler, die in einem mehrstufigen Verfahren zur Teilnahme an der Lindauer Nobelpreisträgertagung ausgewählt werden, können im Anschluss einen durch das CDZ finanzierten sechsmonatigen Forschungsaufenthalt an einer deutschen Institution ihrer Wahl erhalten. Komplementär gibt es seit 2008 ein Programm zur Unterstützung deutscher Nachwuchsgruppenleiter, die zur Anbahnung neuer Projekte nach China wollen.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit der zweiten Dekade des CDZ?

Das Förderangebot entspricht,wie ich hoffe, den Bedürfnissen der Wissenschaft. In seiner Vielfalt sucht es seinesgleichen. Chinas Bedeutung in Forschung und Entwicklung nimmt stetig zu, sodass es auch zukünftig darum gehen wird, die deutsch-chinesische Wissenschaftskooperation weiterzuentwickeln. Das CDZ wird dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Davon bin ich überzeugt.

Interview: Dr. Rembert Unterstell

Zusatzinformationen

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Chinesisch-Deutschen Zentrums für Wissenschaftsförderung (CDZ) in Peking würdigt eine 40-seitige Broschüre die Arbeit des Zentrums und gibt Beispiele der bisherigen wissenschaftlichen Kooperation.

© 2010-2019 DFG Letzte Aktualisierung: 30.06.2010 Sitemap   |  Impressum  |  Datenschutzhinweise  |  Kontakt  |  Service

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