DFG-Leibniz Lecture zu „Networked Cybernetics“ am GRIAT in Kazan

German Russian Institute of Advanced Technologies (GRIAT) an der Kazaner Staatlichen Technischen Forschungsuniversität (KNRTU-KAI)
German Russian Institute of Advanced Technologies (GRIAT) an der Kazaner Staatlichen Technischen Forschungsuniversität (KNRTU-KAI)
© KAI

(05.03.2018) Ende Februar richtete die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit dem German Russian Institute of Advanced Technologies (GRIAT) an der Kazaner Staatlichen Technischen Forschungsuniversität (KNRTU-KAI) eine Vorlesung mit dem Leibnizpreisträger und Vizepräsidenten der DFG Professor Frank Allgöwer aus. Unter dem Titel „Networked Cybernetics: From the Classical Feedback Loop to the New Cybernetics of the 21st Century“ diskutierte Professor Allgöwer die aktuellen technischen Herausforderungen an intelligente und digital vernetzte Systeme mit einem interessierten Fachpublikum aus Wissenschaft und Wirtschaft.

Frank Allgöwer im Gespräch mit Studierenden
Frank Allgöwer im Gespräch mit Studierenden
© KAI

In seiner Leibniz Lecture präsentierte der ausgewiesene Kybernetiker Professor Frank Allgöwer den 80 Zuhörerinnen und Zuhörern neue Entwicklungen, Probleme und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Kontrolle von miteinander verbundenen Netzwerken komplexer dynamischer Systeme und stellte diese in den Kontext des aktuellen Diskurses rund um Industrie 4.0, Robotik und autonomes Fahren. Neben den aktuellen technischen Herausforderungen schlug Allgöwer auch die Brücke zu den ethischen Fragen, die diese Entwicklungen mit sich bringen. Die anschließende Diskussion mit dem Publikum zeigte eindrücklich, dass es wichtig ist, die mit dem technischen Fortschritt verbundenen Zukunftsängste aktiv aus der Wissenschaft heraus zu adressieren. Allgöwer betonte, dass in Zeiten des rapiden technischen Wandels gerade auch den Geisteswissenschaften die besonders wichtige Rolle zukomme, die Auswirkungen dieses Wandels auf die Gesellschaft und Zivilisation nicht nur reflektierend im Blick zu behalten – sondern auch aus juristischer, anthropologischer, soziologischer oder wirtschaftlicher Sicht proaktiv zu begleiten. Während eines mehrstündigen Fachseminars zum Thema „Industry 4.0: Challenges and opportunities for optimization-based control“, das im Vorfeld der Leibniz Lecture am German-Russian Institute of Advanced Technologies für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler stattfand, analysierte Frank Allgöwer die technischen Aspekte dieses Wandels im Detail.

Das German-Russian Institute of Advanced Technologies (GRIAT) wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und der autonomen Republik Tatarstan gefördert, um an der KNRTU-KAI eine „Deutsch-Russische Universität“ aufzubauen. Im September 2014 nahm das GRIAT den Studienbetrieb in vier englischsprachigen ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen auf, wobei bereits 80 Absolventen zu verzeichnen sind. Bis 2020 sollen zehn weitere Masterstudiengänge sowie eine Graduiertenschule angeboten werden. Auf deutscher Seite fungiert die TU Ilmenau als Konsortialführer in enger Abstimmung mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, wobei sich mittlerweile auch die TU Kaiserslautern und die TU Braunschweig am Projekt beteiligen. Angesiedelt ist das GRIAT an der Kazaner Staatlichen Technischen Forschungsuniversität, die nach A.N. Tupolev benannt wurde. Diese Universität ist eine der führenden russischen Institutionen in den Bereichen Flugzeugtechnik, Motoren- und Instrumentenbau, Informatik sowie Radio- und Nachrichtentechnik und die größte technische Universität der Republik Tatarstan und der Wolga-Region. Die Metropole Kazan wird als „dritte Hauptstadt“ Russlands bezeichnet und ist einer der wichtigsten Wissenschaftsstandorte in der Föderation. Die DFG fördert hier seit langem zahlreiche Projekte in den Gebieten der Chemie, der Physik und der Mathematik, aber auch in der Geologie und in den Sozialwissenschaften.

Die mit der Leibniz Lecture verbundene Reise wurde vom DFG Büro in Moskau begleitet und diente neben der Anbahnung für weiterführende Kooperationen natürlich auch der Kontaktpflege. Einen Austausch über aktuelle Entwicklungen in der Wissenschaftslandschaft des Standortes Kazan bot ein Treffen mit dem Rektor der Kazaner Föderalen Universität (KFU), Ilshat Gafurov, der über neue Strukturen der drittältesten russischen Universität und ihre internationalen Forschungskooperationen berichtete. Die KFU gehört zum ausgewählten Kreis der zehn Föderalen Universitäten Russlands, die im Rahmen der Hochschulreform besonders gefördert werden. Hier führten DFG und DAAD 2011 die erste deutsche-russische Nachwuchswoche durch.

Treffen mit KFU-Rektor Ilshat Gafurov
Treffen mit KFU-Rektor Ilshat Gafurov
© KFU

Am nächsten Tag empfing der Direktor des Kazaner Wissenschaftszentrums (Kazan Scientific Center of the Russian Academy of Sciences), Oleg Sinyashin, die DFG-Delegation zu einem Gespräch über deutsch-russische Forschungskooperationen. Das Zentrum vereint auf administrativer Ebene acht Forschungsinstitutionen der Russischen Akademie der Wissenschaften mit ca. 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zu den fachlichen Schwerpunkten der Institute zählen Physik, Mechanik und Engineering, organische Chemie, Biophysik und Biochemie, Energie, Landwirtschaft sowie Medizin.

Frank Allgöwer, Vize-Präsident der DFG seit 2012, ist Professor und Leiter des Instituts für Systemtheorie und Regelungstechnik an der Universität Stuttgart. Für seine Forschung wurde er 2004 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland. Er ist mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotiert und wird von der DFG jährlich an herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben. Die DFG organisiert Leibniz-Lectures von Preisträgerinnen und Preisträgern dieses Forschungspreises weltweit. Themen der Spitzenforschung in Deutschland werden so mit Blick auf Kooperationspotential im Ausland präsentiert. Auch in Russland hat sich dieses Format als erfolgreiche Veranstaltungsreihe etabliert. Die Leibniz Lecture von Frank Allgöwer war bereits die siebte, die vom DFG-Büro in Russland seit 2012 organisiert wurde.

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