Klimagipfel in Bonn: DFG und DKN veranstalten Side Event

Diskussionsveranstaltung zur Rolle der Wissenschaft in der Umsetzung der Klima- und globalen Nachhaltigkeitsziele

Die Panelrednerinnen und –redner
Die Panelrednerinnen und –redner v.l. Dr. Asun St. Clair, Dr. Charles Tonui, Dr. Imme Scholz (Morderation), Edith Adera, Dr. Maria Amparo Martinez Arroyo, Dr. Leena Shrivastava
© Bettina Schmalzbauer / DKN in Future Earth

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Die 23. Weltklimakonferenz (COP23) fand vom 6. bis 17. November 2017 in Bonn unter dem Vorsitz der Regierung von Fidschi statt. Die diesjährige Konferenz zur Umsetzung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) zielt insbesondere darauf ab, die nationalen Beiträge zur Vermeidung und Anpassung an den Klimawandel zu spezifizieren. Begleitet werden die offiziellen politischen Verhandlungen der Vertragsstaaten durch eine Vielzahl sogenannter Side Events, bei denen Vertreter der Nationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen ihre Sichtweisen zum Umgang mit dem Klimawandel austauschen. Als beim Weltklimagipfel akkreditierte Nichtregierungsorganisation hat die DFG gemeinsam mit dem Deutschen Komitee für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth (DKN Future Earth) am 6. November, dem Eröffnungstag der Konferenz, ein Side Event organisiert, das an vorangegangene Aktivitäten der DFG zur Nachhaltigkeitsthematik anschloss: Im Zentrum standen Wissenschaft und Forschung sowie deren unverzichtbarer Beitrag zur Gestaltung einer evidenzbasierten Klima- und Nachhaltigkeitspolitik. Das Side Event „Catalysing Climate Action, Realising the SDGs: Science, Interconnections, and Implementation“ wurde vom Sekretariat des UNFCCC in einem aufwendigen Bewerbungsprozess ausgewählt.

Prof. Dr. Martin Visbeck, Vorsitzender des DKN Future Earth
Prof. Dr. Martin Visbeck, Vorsitzender des DKN Future Earth, eröffnete das Side Event
© Photo by IISD/Angeles Estrada (enb.iisd.org/climate/cop23/enbots/6nov.html)

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Zur Eröffnung sprach Prof. Dr. Martin Visbeck, Vorsitzender des DKN Future Earth. Visbeck wies auf die vielfältigen Verknüpfungen von Klimawandel und den Zielen der Agenda 2030 hin und illustrierte dies sehr eingängig am Beispiel des prognostizierten Bevölkerungswachstums, das unter der Bedingung bewältigt werden muss, stets die planetarischen Grenzen einzuhalten. In Kurzvorträgen verdeutlichten anschließend Dr. María Amparo Martínez Arroyo (National Institute of Ecology and Climate Change, Mexiko, und Inter American Institute for Global Change Research) und Dr. Leena Shrivastava (The Energy and Resources Institute, Indien), wie wichtig für eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit die Vernetzung von lokalen und regionalen Politikakteuren mit akademischen Communities ist. Auf welche Weise Wissenschaft zu einer dezidiert gemeinsamen Umsetzung der Ziele des Pariser Klimaabkommens und der globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) beitragen kann, diskutierten Wissenschaftlerinnen aus Norwegen, Indien, Kanada und Südamerika sowie ein Wissenschaftler aus Kenia. Dr. Imme Scholz, stellvertretende Leiterin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, moderierte das Panel.

Edith Adera vom International Development Research Centre in Kanada
Edith Adera vom International Development Research Centre in Kanada berichtete, dass in Afrika wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend in die politische Entscheidungsfindung einbezogen würden
© Photo by IISD/Angeles Estrada (enb.iisd.org/climate/cop23/enbots/6nov.html)

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Ein wichtiges Thema waren die Herausforderungen, die sich aus dem räumlichen Scaling von Problemzusammenhängen und -lösungen ergeben, wenn diese von der internationalen Ebene auf regionale und lokale Ebenen transferiert werden (müssen). Edith Adera vom International Development Research Centre, Kanada, hob hervor, „dass die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft in den letzten Jahren, beispielsweise in Afrika, für die politische Entscheidungsfindung immer bedeutender geworden ist“. Es müssten sich allerdings auch die institutionellen Rahmenbedingungen weiter verbessern, um Akteure und Wissen aus Wissenschaft und Politik gewinnbringend zu verzahnen, etwa durch die Etablierung von Multi-Stakeholder-Plattformen. Gute Beispiele fänden sich, so Martinez Arroyo, in Mexiko. „Auch in Deutschland wird durch die „Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030“ akademisches Wissen fächerübergreifend gebündelt und zur Umsetzung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie nutzbar gemacht“, sagte Visbeck.

Grundtenor der weiteren Diskussion war, dass die akademische Wissensproduktion selbst teils neu organisiert werden müsse, damit Forschungserkenntnisse bei der Umsetzung in Politik und Gesellschaft besser wahrgenommen und einbezogen würden. Es fehle vor allem, so Charles Tonui vom African Center for Technology Studies, Kenia, an einer gemeinsamen Sprache und an „Scientific Literacy“, die bereits zur schulischen Grundausbildung gehören müsste. Wichtig sei auch, die Gesellschaft nicht nur als Forschungsobjekt zu betrachten, sondern diese in die akademische Wissensgenerierung miteinzubeziehen, um die Relevanz von Forschungsergebnissen für die Gesellschaft zu erhöhen sowie eine gemeinsame Sprache und das Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse zu fördern.

Dr. Asun St. Clair von der norwegischen Klassifikationsgesellschaft DNV GL
Dr. Asun St. Clair von der norwegischen Klassifikationsgesellschaft DNV GL rief angesichts der durch den Klimawandel verursachten drängenden Probleme alle an der 23. Weltklimakonferenz Beteiligten zum raschen Handeln auf
© Photo by IISD/Angeles Estrada (enb.iisd.org/climate/cop23/enbots/6nov.html)

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Wie DKN-Vorsitzender Visbeck zusammenfassend bemerkte: „Internationale Forschungsprogramme wie das Programm für globale Nachhaltigkeit, Future Earth, und das Weltklimaprogramm können eine Plattform für Vernetzung und Diskussion bieten, um akademisches Wissen, das mögliche globale nachhaltige Entwicklungspfade identifiziert, im internationalen Kontext zusammenzuführen.“ Letztendlich sei dies in Teilen auch eine Bringschuld der Wissenschaft: „Wissenschaftliche Ergebnisse auf die lokale und regionale Ebene zu tragen, ist nicht nur Aufgabe politischer Entscheidungsträger, sondern auch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern“, so Visbeck. Wissenschaftliche Erkenntnis sei insbesondere wichtig, um eine Politikkohärenz anzustreben, also eine soweit wie möglich aufeinander abgestimmte Umsetzung diverser und in Wirkungsketten miteinander verbundener Ziele im Rahmen der Agenda 2030. Mit Blick auf den bestehenden Handlungsdruck, der hoffentlich zu substanziellen Ergebnissen auf der 23. Weltklimakonferenz führen werde, mahnte Dr. Asun St. Clair von der DNV GL, Norwegen zur Eile: „Wir haben keine 25 Jahre mehr, um das 2030-Ziel zu erreichen!“

Weitere Veranstaltungen im Rahmen von COP23

  • Im Rahmen der „German Science Hour“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) diskutierten am 10. November im Deutschen Pavillon auf Einladung der DFG Prof. Dr. Karen Pittel von der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie des ifo Instituts München, Prof. Dr. Grischa Perino von der Universität Hamburg und Julia Bingler von Germanwatch über die Auswirkungen unterschiedlicher Regulierungsinstrumente im Energiebereich, etwa von Preismechanismen oder dem EU-Emissionshandel.
  • Als Sprecher und Sprecherin einer vom DKN Future Earth eingerichteten Arbeitsgruppe organisierten am 15. November Dr. Florian Koch vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und Dr. Kerstin Krellenberg von der Tilia GmbH im kulturellen Rahmenprogramm der COP23 einen Austausch zur Rolle der Wissenschaft in der nachhaltigen Stadtentwicklung im Kontext des elften globalen Ziels zur nachhaltigen Entwicklung von Städten und Gemeinden.

German Science Hour
"German Science Hour": v.l. Prof. Dr. Grischa Perino, Prof. Dr. Karen Pittel, Julia Bingler
© Friedemann Call / DLR Projektträger

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