Das erste „Polish-German Science Meeting“

Prof. Dr. Peter Strohschneider
Abendvortrag des DFG-Präsidenten Prof. Dr. Peter Strohschneider
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Die akademischen Beziehungen zwischen den Nachbarländern Deutschland und Polen sind eng, traditionsreich und vielfältig. Ein regelmäßiges bilaterales Gesprächsformat mit allen am Wissenschaftsprozess beteiligten Akteuren hat sich bisher jedoch noch nicht etablieren können. Um dies zukünftig zu ändern, kamen auf Einladung der DFG, der Foundation for Polish Science (FNP) und des polnischen National Science Centres (NCN) Mitte Mai Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Bildung sowie aus Forschungs- und Förderorganisationen beider Länder zusammen.

Im Zentrum des zweitägigen Treffens in München stand der Austausch zu aktuellen wissenschaftspolitischen Herausforderungen, aber auch zu Fragen der Wissenschaftsadministration und neuen Förderformaten in der länderübergreifenden Zusammenarbeit. Nach diesem erfolgreichen Auftakt soll die Reihe von Polnisch-Deutschen Wissenschaftstreffen in den nächsten Jahren fortgesetzt werden.

Die erste Zusammenkunft von 45 Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Bereiche der Wissenschaftssysteme beider Länder war als Pilotvorhaben mit mehreren Gesprächsformaten zu verschiedensten Inhalten geplant.

Eröffnung des First Polish-German Science Meeting
Eröffnung des First Polish-German Science Meeting im Kardinal Wendel Haus der Katholischen Akademie in Bayern
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 Am ersten Tag berichteten in einem Workshop zunächst deutsche und polnische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von ihren praktischen Erfahrungen in der bilateralen Forschungsförderung. In kurzen Statements beleuchteten die Forschungsteams, die in unterschiedlichen Programmlinien gefördert wurden, den Mehrwert ihrer grenzübergreifenden Zusammenarbeit, benannten zugleich aber auch Desiderata der Forschungsförderung. Als positiv hoben sie etwa in beiden Ländern veröffentlichte Publikationen, Zugänge zu erweiterten Datensätzen und Forschungsinfrastrukturen sowie erfolgreich beantragte Folgeprojekte hervor. Zusätzlicher Bedarf bestünde aber an flexiblen Förderformaten und an der Weiterentwicklung bestehender Programme, insbesondere mit Blick auf den wissenschaftlichen Nachwuchs und die Interdisziplinarität der Forschung.

Die Wissenschaftsmanagerinnen und Wissenschaftsmanager aus den großen deutschen und polnischen Forschungseinrichtungen, wie der Fraunhofer-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft , der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN), des National Centres for Research and Development (NCBR) sowie von DFG, FNP und NCN antworteten in einer ‚tour de table‘ mit Neuigkeiten aus dem Spektrum ihrer Förderangebote. Diese wiesen sowohl neue Programminitiativen als auch neue inhaltliche Ausrichtungen auf.

Foto eines Gesprächs
Gespräch: DFG-Präsident Prof. Dr. Peter Strohschneider mit dem Ehrenpräsidenten der Conference of Rectors of Academic Schools in Poland, Prof. Dr. hab. Wiesław Banyś, NCN-Direktor Prof. Dr. hab. Zbigniew Błocki und der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats von NCN, Prof. Dr hab. Janusz Janeczek (v.r.)
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DFG-Präsident Professor Dr. Peter Strohschneider setzte sich am Abend in seiner Rede mit den gesellschaftlichen und wissenschaftspolitischen Debatten beider Länder im gegenwärtigen Europa auseinander. Er reflektierte, wie auf Grundlage eines gemeinsamen europäischen Wertekanons Wissenschaftsfreiheit auch in einem durch Populismus herausgeforderten Europa erhalten werden kann. Die vertiefende Diskussion, die sich auch in den Tischgesprächen des Abendessens fortsetze, machte gemeinsame deutsch-polnische Positionen und vor allen Dingen auch viel gemeinsame Wertschätzung deutlich.

Der zweite Tag knüpfte an die beiden Programmteile des ersten Tages an und versuchte strategische Überlegungen aus dem Workshop und dem Vortrag abzuleiten. Im Kern der Diskussion standen Fragen, wie wissenschaftliche Exzellenz in beiden Ländern weiter gefördert werden kann, was jeweils unter Exzellenz zu verstehen ist und wie Forschung in Deutschland und Polen in Zukunft unterstützt werden sollte. Zu den Überlegungen trugen neben den Spitzen der Wissenschaftsorganisationen auch die Vertreter der Hochschulrektorenkonferenzen beider Länder sowie die Präsidentin der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung (DPWS), Prof. Dr. Rita Süssmuth, bei. Wertvolle Impulse lieferten auch die Auslandskompetenzen des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) und der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH). Aber auch die Forscherinnen und Forscher sowie die Wissenschaftsmanagerinnen und Wissenschaftsmanager brachten sich in die Diskussion mit ein und wiesen auf Besonderheiten und Unterschiede beider Systeme hin. Das Ergebnis war ein Rundgespräch, das wechselseitige Sichtweisen, Bedarfe, Kompetenzen und vor allem auch die Notwendigkeit weiter- und tiefergehender Zusammenarbeit offenbarte.

Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass sich das neue Veranstaltungsformat für alle Beteiligten als äußerst anregend erwies. Die deutsch-polnische akademische Zusammenarbeit ist ungebrochen stark, verlangt aber nicht nur aufgrund des besonderen historischen Kontextes nach besonderen Förderformaten und Kooperationsstrukturen. Das nächste Treffen ist bereits in Planung und soll in Polen stattfinden.

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