BAT-Wert für Aluminium veröffentlicht

Wissenschaftliche Bewertung der gesundheitlichen Wirkungen des Metalls / Beitrag zur Diskussion um Neurotoxizität und Brustkrebs sowie zur Risikoabschätzung

Alufolie
Aluminium

Aluminium steht in der Diskussion: Die Frage, ob das vielfältig eingesetzte Metall Brustkrebs oder Alzheimer hervorrufen kann, verunsichert viele Menschen. Die Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission) der DFG hat nun mit einem neuen Biologischen Arbeitsstoff-Toleranzwert (BAT-Wert) für Aluminium im Urin einen Beitrag für die Risikobewertung am Arbeitsplatz und darüber hinaus geliefert. Solange dieser Wert im Körper unterschritten bleibt, sind auch langfristig keine negativen Wirkungen wie Schädigungen des Nervensystems durch Aluminium zu befürchten.

Aluminium ist das dritthäufigste Element der Erdkruste und jede und jeder nimmt es täglich mit Nahrung und Trinkwasser auf. Das macht die Abschätzung der zusätzlichen Aufnahme, sei es durch Alufolie oder Kochgeschirr, Deodorants oder Zahnpasta, Medikamente wie Dialyselösungen oder Impfstoffe, aber auch beim Schweißen am Arbeitsplatz, komplexer als bei anderen Stoffen. Wie das Metall im Körper wirkt, ist nicht restlos geklärt.

Sicher ist, dass eine hohe Staubbelastung am Arbeitsplatz und das Einatmen von Aluminiumpartikeln, die zu einer inneren Belastung von mehr als 200 Mikrogramm Aluminium pro Liter im Urin führen, Gewebeveränderungen in der Lunge, sogenannte Aluminosen, hervorrufen können. Zum Zusammenhang zwischen aluminiumhaltigen Antitranspirantien und der Entstehung von Brustkrebs liegen bislang jedoch keine konsistenten Daten vor und eine krebserzeugende Wirkung von Aluminium ist derzeit nicht belegt. Nachgewiesen ist aber, dass Aluminium sich bei Mensch und Tier negativ auf das Nervensystem auswirkt. So wurde bei Patientinnen und Patienten mit hoher Aluminiumbelastung durch Dialyseflüssigkeiten eine spezifische krankhafte Gehirnveränderung mit einem dementiellen Syndrom beobachtet, die sich in den Symptomen und bei Gewebeproben jedoch von einer Demenz des Alzheimer-Typs unterscheidet. Andererseits wurden in Gehirnen von Alzheimer-Patienten erhöhte Aluminiumgehalte nachgewiesen. Ob es sich dabei um Ursache oder Folge der Alzheimer-Erkrankung handelt, ist derzeit nicht geklärt.

Schweißen
Schweißen

Um insbesondere die Effekte hoher Dosen von Aluminium abschätzen zu können, sind arbeitsmedizinische Erfahrungen sehr hilfreich. Denn oft werden hier Personen untersucht, die wesentlich mehr Aluminium aufnehmen als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Krankhafte Gehirnveränderungen zeigten sich jedoch auch bei solchen hochexponierten Menschen mit Aluminiumwerten von bis zu 600 Mikrogramm pro Gramm Kreatinin im Urin nicht. Andererseits schnitten Aluminiumschweißer und Aluminium-exponierte Industriearbeiter mit Konzentrationen von 100 Mikrogramm pro Gramm Kreatinin in Tests zu Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit und Gedächtnisleistung signifikant schlechter ab als weniger exponierte Personen.

Mit Blick auf die gesamte Studienlage leitete die MAK-Kommission einen BAT-Wert von 50 Mikrogramm Aluminium (das entspricht knapp zwei Quadratzentimetern handelsüblicher Alufolie) pro Gramm Kreatinin im Urin ab, der auch vor langfristigen neurotoxischen Effekten schützt. Damit ergänzt sie die bislang festgesetzten Werte für die Belastung mit Aluminium: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) definierte die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge von Aluminium auf ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht; in Deutschland hat das Umweltbundesamt vorläufige Referenzwerte für die innere Belastung mit Aluminium mit weniger als 15 Mikrogramm pro Liter Urin und weniger als fünf Mikrogramm pro Liter Blutserum angegeben. Diese Referenzwerte beschreiben allerdings nur die Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung und lassen somit keine Beurteilung des Risikos zu.

Ob Aluminium im Körper schädliche Wirkung entfalten kann, liegt an der inneren Belastung mit dem Metall. Die Höhe dieser Belastung zeigen die Aluminiumwerte in Blut und Urin. Vor diesem Hintergrund liefert der BAT-Wert der MAK-Kommission der DFG einen wichtigen Beitrag zur Risikobewertung. Denn er hilft nicht nur, die Exposition am Arbeitsplatz einzuschätzen, sondern gibt auch Anhaltspunkte für die toxikologische Beurteilung außerberuflicher Aluminium-Expositionen. Bezüglich der tatsächlich auftretenden Belastungen besteht allerdings noch erheblicher Forschungsbedarf.

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