Von der Idee zur Erkenntnis - sichtbar gemacht
Wenn von Wissenschaft die Rede ist, geht es oft um ihre Finanzierung und Organisation. Allzu leicht vergessen wird dabei aber das Wichtigste: Themen, Inhalte und Ergebnisse. Wissenschaftsförderung heißt daher auch, ihre Potenziale und Erfolge öffentlich darzustellen.
von Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner
An dieser Stelle ist häufig von zwei Dingen die Rede: von Geld und von Strukturen. Verwundern braucht das nicht. Die Frage nach den finanziellen Ressourcen ihrer Arbeit ist für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für die Wissenschaft als Ganzes und für die sie Fördernden ebenso elementar wie die Frage nach den Organisationsformen dieser Arbeit. Beides gibt, nicht alleine, aber doch wesentlich, den Rahmen vor, in dem Wissenschaft und Wissenschaftsförderung stattfinden; an beidem bemisst sich, nicht als einzigem, aber als besonders wichtigem Maßstab, auch die Modernität oder Rückständigkeit eines Wissenschaftssystems.
Auch die derzeitige Situation der Wissenschaft und des Wissenschaftssystems in Deutschland und ihre neuere Entwicklung lässt sich nicht zuletzt anhand dieser beiden Parameter nachzeichnen, im Guten wie im Schlechten, etwa mit der Exzellenzinitiative und Milliardeninvestitionen auf der einen Seite und der immer knapperen Grundausstattung der Hochschulen und dem unvernünftigen Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern auf der anderen Seite.
Mit gutem Grund also richten auch wir als DFG unser Augenmerk immer wieder auf Finanzen und Strukturen – in unseren vielen Gesprächen mit der Politik, in den gemeinsamen Bemühungen mit den anderen Wissenschaftsorganisationen, aber auch in unseren öffentlichen Positionierungen, in unseren Pressemitteilungen oder eben in den Kommentaren unseres DFG-Magazins.
Doch so wichtig eine solche Fokussierung auch ist, so sehr birgt sie auch eine Gefahr: Je stärker Geld und Organisation die Gespräche und Gedanken über die Wissenschaft und ihre Förderung dominieren, desto leichter gerät die Wissenschaft selbst aus dem Blick. Ihre Themen, ihre Inhalte und ihre Ergebnisse – sie alle erhalten dann nicht die Aufmerksamkeit und am Ende auch nicht die Wertschätzung, die sie verdienen. Eine solche „Ausblendung“ ist doppelt gefährlich und wird der Wissenschaft doppelt nicht gerecht, blendet sie doch sowohl den Reichtum der Wissenschaft an sich als auch ihren Beitrag zum Wohlergehen und zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft aus.
Alle an Wissenschaft Interessierten tun deshalb gut daran, immer auch die Wissenschaft per se nicht nur mitzudenken und anzusprechen, sondern mehr noch: herauszustellen.Dies gilt nicht zuletzt für die DFG. Wissenschaft und Forschung zu fördern heißt auch, ihre Potenziale und Erfolge sichtbar zu machen. Denn sie ist nicht Teil unserer Finanzprobleme, sondern hat gewichtigen Anteil an der Lösung unserer Zukunftsfragen.
Nicht, dass wir dies nicht auf vielfältige Weise täten. Im Grunde ist jede Ausgabe der forschung eine solche Sichtbarmachung, wenn DFG-geförderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über ihre Projekte berichten. Auch etwa bei der Verleihung der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preise wird anschaulich, was Wissenschaft und die Arbeit des Wissenschaftlers ausmachen: die Kraft der Idee, die Lust am Fragen, der Mut zum Risiko, der Wille zum Erfolg und auch das Quentchen Glück, das dazugehört.
Damit nicht genug: Wie viel Wissenschaft die oft ja vor allem wegen ihrer Strukturen und ihres Geldes beachteten Einrichtungen der Exzellenzinitiative zu bieten haben, zeigt unser Internetvideoportal www.exzellenz-initiative.de. Mit dem Communicator-Preis zeichnen wir Forscherinnen und Forscher aus, die ihre Arbeiten originell und vielfältig in die Medien und die Öffentlichkeit vermitteln. Und in unseren Förderprogrammen haben wir allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nun im Zuge der Modularisierung die Möglichkeit eröffnet, auch für ihre eigene Presse-und Öffentlichkeit gezielt Fördermittel zu beantragen.
Gerade in diesen Wochen aber wird Wissenschaft von der DFG und mit ihrer Unterstützung auch auf andere und ganz besondere Weise sicht- und erlebbar gemacht: in gleich mehreren großen Ausstellungen, von denen auch in diesem Heft zu lesen ist.
Ob vor allem in der Austellung „Von der Idee zur Erkenntnis“, die den ganzen März über zehn beispielhafte Projekte aus der DFG-Einzelförderung im Paul-Löbe-Haus im Deutschen Bundestag präsentierte und nun auf Reisen durch die Bundesländer und Landesparlamente geht, ob in der Schau „Brisante Begegnungen“ im Hamburger Museum für Völkerkunde, in der ein Sonderforschungsbereich seine Forschungen zu Nomaden in Geschichte und Gegenwart zeigt, oder ob in „MenschMikrobe“, unserer gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut veranstalteten Ausstellung zur Infektionsforschung, die soeben in Lübeck ihre nächste Station begonnen hat und die seit ihrem Start 2010 bereits mehr als 70 000 Besucher angezogen hat – überall geht es, inhaltlich wie visuell gleichermaßen attraktiv, um die Fragen, die die Wissenschaft stellen, und um die Antworten, die sie geben kann.
Was wir auf diese Weise zeigen wollen und wie wir es tun – es wird gesehen und gehört, auch, und das ist besonders gut zu wissen, bei den professionell-kritischen Akteuren und Beobachtern. So waren die eröffnenden und begleitenden Worte des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert und der Abgeordneten und Ausschussvorsitzenden Ulla Burchardt zur Ausstellung im Paul-Löbe-Haus ein in dieser Form seltenes Loblied auf die Wissenschaft allgemein und speziell auf die Grundlagenforschung und ihren gesellschaftlichen Wert. Und Eckhard Fuhr, der Chefkorrespondent der Welt, den die forschung als prominente „fremde Feder“ auf einen Rundgang gebeten hatte, erkannte dort eben die „Originalität und (den) Eigensinn“, die Wissenschaft ganz wesentlich ausmachen, und jenen „spielerischfreien Geist, von dem die Forscher beseelt sind“.
Eben dies wollen wir auch künftig immer wieder sichtbar machen. Dadurch soll die Rolle der DFG als Forschungsförderer und Organisator von Wissenschaft nicht klein geredet werden, in der wir uns auch weiterhin jeder Kritik stellen. Auch bedeutet es kein Nachlassen in unserem Eintreten für bessere finanzielle und strukturelle Bedingungen für die Wissenschaft und ihre Förderung. Und ebensowenig wollen wir uns mit fremden Federn schmücken. Es sind immer die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Ideen haben und daraus Projekte entstehen lassen und daraus wiederum die Erkenntnisse, die auf diese Weise sichtbar gemacht werden. Doch auch und gerade sie sind Teil der Gemeinschaft, die die DFG in ihrem Namen trägt und der ihr ganzer Einsatz gilt.
Professor Dr.-Ing. Matthias Kleiner ist Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.