Das Meer steigt an

Luftbild von Male, der Hauptstadt der Malediven
Male, die Hauptstadt der Malediven, liegt nur einen Meter über dem Meeresspiegel und zählt damit zu den am stärksten gefährdeten Landmassen
© Shahee Ilyas , CC BY-SA 3.0

Insel- und Küstenbewohner kämpfen mit einem dauerhaften Problem: Seit Jahrzehnten steigt der globale Meeresspiegel – an manchen Stellen im Pazifik und im Indischen Ozean um mehr als zwei Zentimeter pro Jahr. Forscher haben errechnet, dass der Meeresspiegel in den kommenden 200 bis 2000 Jahren um 4,5 bis 7,5 Meter zulegen könnte. Zahlreiche Gebiete drohen langfristig im Meer zu versinken. Millionen Menschen müssten umgesiedelt werden, etwa in Megastädten wie Jakarta in Indonesien oder Shanghai in China. Die deutschen Küsten sind ebenso betroffen, wenn auch nicht in dem Ausmaß. Experten gehen von rund zweieinhalb Millimetern pro Jahr aus.

Das 2016 gestartete Schwerpunktprogramm „SeaLevel: Regional Sea Level Change and Society“ untersucht, wie sich ein steigender Meeresspiegel lokal auswirkt. Dabei stehen die physikalischen Prozesse, die den Meeresspiegel beeinflussen, ebenso im Mittelpunkt wie bessere Prognosen und die möglichen Folgen in den betroffenen Ländern, angefangen von der Veränderung der Küstenlinien bis hin zu sozialen Konsequenzen. Aber die Forscherinnen und Forscher schauen auch in die Vergangenheit und suchen beispielsweise mittels Bohrungen in Dünen und Salzmarschen nach Hinweisen, wie sich der Meeresspiegel in den vergangenen 500 Jahren entwickelt hat.

Dabei konzentriert sich das DFG-Schwerpunktprogramm auf Nordeuropa und Südasien. „Diese Regionen unterscheiden sich nicht nur kulturell und wirtschaftlich, sie sind auch unterschiedlich auf einen steigenden Meeresspiegel vorbereitet“, sagt der Koordinator des Vorhabens, Detlef Stammer von der Universität Hamburg: „Nordeuropa verfügt zumindest an der Nordseeküste über ein gut ausgebautes Deichsystem, dagegen sind insbesondere die Inselstaaten Südasiens dem Anstieg weitestgehend schutzlos ausgeliefert.“

Der Meeresspiegel hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen regionale Besonderheiten ebenso wie der Einfluss des Erdsystems als Ganzes. So verformt sich die Erde laufend, der Meeresboden verändert und die Kontinentalplatten verschieben sich. Wenn sich wie in Skandinavien das Festland anhebt, kann der Meeresspiegel lokal sogar sinken. Gleichzeitig nimmt die Wassermasse im Meer zu, da das Eis in den Polarregionen schmilzt. Das Süßwasser, das sich dabei in die Meere ergießt, verändert zusätzlich die Strömung der salzhaltigen Ozeane. Auch das beeinflusst den lokalen Meeresspiegel.

„Darüber hinaus nimmt der Mensch direkten Einfluss“, sagt Stammer. So ist die japanische Hauptstadt Tokio um vier Meter abgesunken, nachdem dem Boden eine große Menge Grundwasser entnommen wurde, im US-Bundesstaat Kalifornien tragen sich die Küsten ab, weil Staudämme verhindern, dass Flüsse Sand, Gesteine und andere Ablagerungen vom Landesinneren an die Küste spülen. In seinen Untersuchungsgebieten will das Schwerpunktprogramm nun herausfinden, „ob es regionale Muster für Änderungen des Meeresspiegels gibt und was deren Ursachen sind. Eventuell lassen sich Anpassungsstrategien erarbeiten, die wir auf andere Regionen übertragen können.“

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