Datenschatz in Arztpraxen heben

Untersuchung in einer Arztpraxis
Untersuchung in einer Arztpraxis
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Um einen Datenschatz geht es in dem seit 2016 von der DFG geförderten Projekt „Anonymisierte Routinedaten aus der ambulanten Versorgung für die Versorgungsforschung (RADAR)“, das sich dem Datenschatz in Arztpraxen widmet. Denn von Erkältung über Rückenschmerz bis hin zu Kreislaufbeschwerden ist der Hausarzt für den Großteil der Bevölkerung die Anlaufadresse Nummer eins.

„Die meisten Beschwerden werden in der Praxis behandelt, und vergleichsweise wenige Menschen müssen ins Krankenhaus“, sagt Eva Hummers, die Projektleiterin und Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität Göttingen. Dabei fallen im Praxisalltag Unmengen an Informationen an. Denn die Hausärzte führen Patientenakten – sowohl für die eigene Dokumentation als auch für die Abrechnung. Und sie bringen Daten wie Labor- oder Untersuchungsergebnisse von anderen Kollegen wieder zusammen. „Das ist eine einmalige Datensammlung im deutschen Gesundheitssystem“, sagt Hummers. „Doch bisher ist es kaum möglich, Zugang zu diesen Daten zu bekommen und mit ihnen zu forschen.“ Zu den Gründen gehört die hohe Anforderung an den Datenschutz, aber auch die Arbeitsbelastung in den Praxen.

Anders sieht es in den Kliniken aus: Dort existiert eine Informationsinfra­struktur, und es gibt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die forschen. „Sich aber allein auf diese Ergebnisse zu fokussieren, halte ich wissenschaftlich und versorgungsmäßig für einen Irrweg. Gerade weil die meisten Menschen in der Primärversorgung – also bei Hausärzten und niedergelassenen Fachärzten – versorgt werden, muss auch dort Forschung stattfinden“, fordert Hummers. Die Patientinnen und Patienten und ihre Krankheiten seien andere als die in Krankenhäusern. Diesen „Praxis-Datenschatz“ will RADAR heben. Es zählt zu den neun Projekten, die im Rahmen der DFG-Aktivität „Forschung an und mit der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF)“ gefördert werden.

„Mit RADAR wollen wir die Routinedaten aus der Praxis für die Forschung und Qualitätssicherung nutzbar machen“, so Hummers. Damit das gelingt, arbeiten im Kooperationsprojekt der Universitäten Göttingen und Greifswald sowie der TMF Hausärzte, Informatiker und Juristen Hand in Hand. Es geht um rechtliche und technische Möglichkeiten zur Nutzung der Routinedaten. Die speziellen Herausforderungen in diesem Projekt liegen in den komplexen Datenschutzanforderungen und den vielen beteiligten Praxen, für die es einheitliche Konzepte umzusetzen gilt.

„Für die technische Lösung der Daten­schutzanforderungen greifen wir auf geprüfte Werkzeuge zurück, die wir mit DFG-Förderung entwickelt haben“, ergänzt Wolfgang Hoffmann, geschäftsführender Direktor des Instituts für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald. Zunächst soll daher ein Prozess gefunden werden, der die Patientendaten in transparenter und einheitlicher Weise möglichst automatisch aus den Praxissystemen exportiert und anonymisiert – unter konsequenter Wahrung des Datenschutzes und bei geringstmöglicher Belastung der Praxismitarbeiter. Langfristig wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Forschungsdatenbank etablieren, die repräsentative, anonymisierte Patienten- und Gesundheitsdaten aus ambulanter Versorgung enthält.

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