Autorität und Vertrauen

Bild eines Cowboys
Der amerikanische Cowboy – ein stereotypes Symbol für Amerika und ein Sinnbild für die antiautoritäre Selbstorganisation an der amerikanischen Gesellschaft an der westlichen Siedlungsgrenze.
© John C. H. Grabill (Library of Congress) – CC0 – Public Domain

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Wie es um die politischen und sozialen Institutionen der USA steht, werden auch die Kollegiatinnen und Kollegiaten des 2016 bewilligten Graduiertenkollegs „Autorität und Vertrauen in der amerikanischen Kultur, Gesellschaft, Geschichte und Politik“ erforschen. Zwar betont dessen Sprecher Manfred Berg vom Heidelberg Center for American Studies, das neu eingerichtete Kolleg habe mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten direkt nichts zu tun. Dennoch sagt er: „Dass Donald Trump überhaupt gewählt wurde, ist natürlich ein massives Zeichen für den Verlust von Autorität und Vertrauen.“ Und ein Beleg dafür, wie aktuell und relevant die thematische Ausrichtung des Kollegs ist.

Um grundlegende Einsichten darüber zu erhalten, wie Autorität und Vertrauen in der Moderne funktionieren, sind die Vereinigten Staaten seit jeher ein sehr gutes Beispiel. „Eigentlich gibt es dort eine sehr autoritätenfeindliche Kultur“, erklärt Berg.

Dazu habe unter anderem die Frontier-Tradition geführt – eine prominente Theorie, die besagt, die Selbstorganisation an den Siedlungsgrenzen während der Erschließung des amerikanischen Westens im 19. Jahrhundert habe einst den amerikanischen Charakter geformt. „Durch dieses Selbstverständnis gehört heute die Opposition gegen staatliche Zentralgewalt oder gegen die Einmischung des Staates in Wirtschaft und Privatleben zur Standardrhetorik in den USA“, erläutert Berg. Dennoch gebe es dabei ein großes Paradox: „Bei der Strafjustiz oder der nationalen Sicher­heit kann den Amerikanern der Staat gar nicht stark genug sein.“

Die künftigen Promovierenden werden sich in ihren Dissertationsprojekten aber nicht nur auf historisch-politikwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Fragen beschränken. Ein weiterer Fokus richtet sich auf Autorität und Vertrauen im städtischen Kontext, aber auch auf Literatur, Kultur und Religion. Dieser interdisziplinäre Ansatz zeichnet das Graduiertenkolleg aus. Darüber hinaus soll die Ausbildung den Kollegiatinnen und Kollegiaten möglichst viel Freiheit lassen und ist dabei in mancherlei Hinsicht innovativ: Dissertationsprojekte werden nicht durch einen einzelnen Mentor betreut, sondern durch sogenannte Thesis Advisory Committees. Diese bestehen aus drei Personen, und ihre Mitglieder können auch assoziierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sein, die nicht in Heidelberg ansässig sind. „So wollen wir mit dem Programm optimale Bedingungen für ambitionierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler schaffen und sie in die Lage versetzen, ihre Promotion nach drei Jahren abzuschließen“, sagt Berg.

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