Biodiversität - Faszination der Facetten

DFG-Präsident Kleiner begrüßt zu dem Abend und stellt die DFG-Broschüre vor
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DFG-Präsident Kleiner begrüßt zu dem Abend und stellt die DFG-Broschüre vor

DFG-Präsident Kleiner begrüßt zu dem Abend und stellt die DFG-Broschüre vor

DFG-Präsident Kleiner begrüßt zu dem Abend und stellt die DFG-Broschüre vor

Wie vielfältig Grundlagenforschung zur Biodiversität ist und vor welche Herausforderungen Biodiversität die Wissenschaft stellt, war Thema des Parlamentarischen Abends der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am 23. September 2008 im WissenschaftsForum in Berlin. Sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten den Zuhörerinnen und Zuhörern aus Politik und Wissenschaft ihre jeweiligen Forschungsfelder vor. Dabei wurde klar, dass biologische Vielfalt eine unverzichtbare Grundlage unseres Lebens ist. Fazit des Abends und auch der neu erschienenen Broschüre der DFG zu diesem Thema: Um die Zusammenhänge zwischen Umweltveränderungen, Klimawandel und Artenverlust besser zu verstehen, ist es dringend erforderlich, die Rolle der Biodiversität in Ökosystemen wissenschaftlich zu untersuchen.

Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßte der DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner und warf einige Fragen zur Biodiversität auf. Danach führte Professor Elisabeth Kalko vom Institut für Experimentelle Ökologie der Universität Ulm in die Thematik ein und eröffnete den Blick auf Tier- und Pflanzenwelt auch durch die farbenprächtigen Bilder vielfältiger Insekten und Pflanzen. Verblüffend: Wie wenige der vermutlich existierenden Arten und ihrer Interaktionen die Wissenschaft bislang kennt.

Wie Biodiversitätsforschung konkret aussehen kann, zeigten danach drei Vorträge aus ganz unterschiedlichen Teilen der Welt. Professor Jörg Bendix, Labor für Klimatologie und Vermessungswesen der Universität Marburg, berichtete von der Arbeit der Forschergruppe „Biodiversity and Sustainable Management of a Megadiverse Mountain Ecosystem in Southern Ecuador“. Dort geht es um Biodiversität und nachhaltiges Management eines sogenannten Hotspots. Wie kann ein solches Gebiet behutsam genutzt werden, ohne den Einwohnern die Lebensgrundlage durch Landwirtschaft zu nehmen und trotzdem die Artenvielfalt zu erhalten? Zurück nach Deutschland brachten die Zuschauenden die Vorträge von Professor Wolfgang W. Weisser vom Institut für Ökologie der Universität Jena, der das Jena-Experiment vorstellte, und von Dr. Simone Pfeiffer, Arbeitsgruppe Biozönoseforschung/ Spezielle Botanik an der Universität Potsdam, über die von der DFG eingerichteten „Exploratorien zur funktionellen Biodiversitätsforschung". Ersteres Experiment betrachtet Flächen unter verschiedenen Bedingungen, um Elementkreisläufe aber auch Erträge zu erfassen. Zweitere sind drei große Gebiete in Deutschland, in denen die Vielfalt von Kulturlandschaften untersucht wird. Wie die Wissenschaftler vor Ort arbeiten - mit Spaten, Fallen, Wetterstationen - zeigten die beiden Wissenschaftler in Bildern und einem Film. Das Ergebnis: Je diverser eine Fläche ist, desto ertragreicher ist sie und desto mehr Positives bringt sie nicht zuletzt dem Menschen. Das reicht von Ressourcen, über Regulierung von Krankheitserregern oder Überflutungen bis hin zu Kulturgütern wie Erholung und Bildung.

Welche Rolle die digitale Verfügbarkeit von Daten in der Biodiversitätstforschung spielt, zeigte Dr. Birgit Gemeinholzer vom Molekularlaboratorium des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums Berlin-Dahlem. Sie stellte das DNA-Bank-Netzwerk vor, in dem Gendaten verschiedenster Lebewesen und Pflanzen gesammelt werden. Diese Datenbanken ergänzen die klassischen Sammlungen der Botanischen Gärten und Museen und stellen den Zugriff aller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sicher. Denn mithilfe des sogenannten DNA-Barcode wird irgendwann jede Tierart und jede Pflanze anhand ihrer genetischen Eigenschaften verzeichnet sein und Taxonomie und Genetik können in Einklang gebracht werden. Dass nicht nur für den Aufbau eines solchen Systems und seine Einbettung in internationale Vorhaben vor allem Geld nötig ist, war eine der zentralen Botschaften des Abends. Denn die Biodiversitätsforschung ist aufwändig und erfordert Beobachtungen über große Zeiträume.

Ganz konkrete Empfehlungen und Wünsche an die Politik formulierte als Gesamtschau der Vorträge Professor Erwin Beck vom Institut für Pflanzenphysiologie der Universität Bayreuth. Der Erhalt der Biodiversität sei Grundlage für Wohlstand und gesellschaftliche Werte. Um diesen zu gewährleisten, sei vor allem auch Grundlagenforschung vonnöten. Er betonte, dass die Aufnahme der Forschung in die Agenda der Convention on Biodiversity (CBD), die im Mai in Bonn zum neunten Mal tagte (COP9) ein wichtiger Schritt sei. Um den formulierten Zielen der CBD nachzukommen, sei insgesamt eine nachhaltige Förderung der Grundlagenforschung auf diesem Gebiet vonnöten.

Im Einzelnen forderte Beck im Namen der Wissenschaft:

  • Bessere Zugangsvoraussetzungen und gerechter Vorteilsausgleich (englisch: Access and Benefit-Sharing, ABS) bei Forschung in Entwicklungsländern. Hier müsse die nationale Zuständigkeit einem internationalen Regime weichen.

  • Forschung für geeignete Schutzkonzepte, um Artenvielfalt zu erhalten.

  • Die Einführung eines wissenschaftlich fundierten Biodiversitätsmonitoring, um Biodiversitätsmuster zu erfassen, aber auch deren Veränderungen und Geschwindigkeit zu erkennen, zu modellieren und in gewissen Grenzen vorhersagbar zu machen. Nur so könne der Forderung der Politik nach verlässlichen Daten über den Artenverlust in belastbarer Weise nachgekommen werden.

  • Unter dem Motto: „Kein Klimaschutz ohne Biodiversitätsschutz!“ müssen international wie national die Abkommen zum Klimaschutz und zum Biodiversitätsschutz politisch gekoppelt werden, um Anreize für den Erhalt oder die Wiederherstellung artenreicher Ökosysteme und deren nachhaltige Nutzung zu schaffen.

  • Eine Bildungsoffensive gegen den Nachwuchsmangel in den relevanten Fächern, die junge Menschen in Schule und Studium an Artenvielfalt heranführt.

In der abschließenden Diskussionsrunde, die wie der gesamte Abend von Professor Markus Fischer, Arbeitsgruppe Molekulare Pflanzenphysiologie, Universität Bern, moderiert wurde, kamen Fragen zur Verflechtung der Gesellschaft mit den Kulturlandschaften sowie monetäre Fragen zur Sprache. Am Ende stand für viele Gäste fest: „Wir haben viel gelernt!“

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Professor Beck formulierte konkrete Wünsche und Empfehlungen

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